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Sonderveranstaltung zum Jubiläum "75 Jahre Kriegsende" : Einmarsch der Amerikaner in Wackershofen

 

Im Corona-Jahr 2020, in dem ansonsten alle historischen Veranstaltungen abgesagt wurden, hat einzig das Hohenloher Freilandmuseum in Wackershofen eine besondere Jubiläumsveranstaltung durchgezogen. In Erinnerung an die Geschehnisse vor 75 Jahren wurde das zeitliche Setting der Veranstaltungsreihe „1945 - Der erste Sommer im Frieden“ diesmal auf den 17. April 1945 gesetzt – der Tag, an dem die Amerikaner Schwäbisch Hall (und Wackershofen) einnahmen.

 


Die Lage ist angespannt. Amerikanische Truppen wurden bereits unweit des Dorfes gesichtet.

 

 


Ein kleines Kontingent der Wehrmacht verschanzt sich in Schützengräben. Gemäß den Anweisungen der Heeresleitung sind die Soldaten bereit, das Dorf bis zum letzten Blutstropfen zu verteidigen.

 

 


Die letzten, eigentlich kriegsuntauglichen Männer des Dorfes – alte Männer und Kriegsversehrte aus dem 1. Weltkrieg – werden als Verstärkung zum Volkssturm zwangsverpflichtet und notdürftig an den Waffen ausgebildet.

 

 

 


Viele Frauen werden in der Zwischenzeit als Luftschutzhelferinnen ausgebildet und zu Feuerwehrübungen herangezogen.

 

 


Die Einwohner des Dorfes fürchten um ihre Häuser, ihr Hab und Gut, ihr nacktes Leben. Die Alliierten haben Flugblätter abgeworfen, in denen der Bevölkerung Verschonung versprochen wird, wenn sie sich kampflos ergeben.

 

 

Die Häuser sollen mit weißen Fahnen gekennzeichnet werden. Genau das würden die Menschen jetzt am liebsten tun – stattdessen ordnet der anwesende Wehrmachtsoffizier an, Panzersperren zu errichten und sich auf einen erbitterten Kampf vorzubereiten.

 


Widerstand oder Ungehorsam stehen nicht zur Diskussion, sofern man nicht Gefahr laufen will, von den eigenen Soldaten standrechtlich erschossen zu werden. Also fügen sich die Dorfbewohner und der Volkssturm errichtet am Dorfeingang mit Hilfe des Fuhrmanns und dessen letztem verbliebenen Pferd eine Panzersperre aus schweren Baumstämmen.

 

 


Die Frauen von Wackershofen sind in äußerster Sorge.

 

 

 

Vordergründig wird die Normalität aufrecht erhalten...

 

 

... bei Else Knieriemen wird weiterhin die Wäsche gewaschen...

 

 

... aber hinter vorgehaltener Hand tuscheln die Frauen und stellen Mutmaßungen darüber an, ob die Amerikaner das Dorf wirklich verschonen werden, wenn die Bewohner durch weiße Fahnen ihre Bereitschaft zur Kapitulation signalisieren.

 

 

Eine jede legt irgendwo verstohlen ein Bettlaken oder sonst ein weißes Tuch bereit…

 


Plötzlich kommt Unruhe auf.

 

 

Nach einer Meldung der Funkstation brechen die deutschen Soldaten auf, ohne irgendeine Erklärung abzugeben.

 

 


Die knielahmen alten Herren des Volkssturms wurden vorher noch als Ablösung an Stelle der Soldaten in die Schützengräben geschickt.

 

 


Die Frauen stehen auf dem Dorfplatz und diskutieren lautstark, wie sie jetzt verfahren sollen. Können sie es wagen, die weißen Tücher in die Fenster zu hängen? Oder kehrt die Wehrmacht gleich wieder zurück? Die Frauen sind ratlos, der Bürgermeister rät zu Ruhe und Besonnenheit.

 

 


Die Wackershofener erhalten die Nachricht, daß die Amerikaner den ausgelagerten Hof eingenommen haben, in dem provisorisch ein Sanitätsposten eingerichtet worden war.

 

 

Die abziehenden Soldaten hatten Verletzte und Sanitäter schutzlos ihrem Schicksal überlassen. Nun sind sie in amerikanische Gefangenschaft geraten. Da sie sich kampflos ergeben haben, ist ihnen vorerst nicht passiert.

 

 

Die Amerikaner sind aufgeregt und durchstöbern den Hof, praktisch in Sichtweite des Dorfs. Dann erhalten sie einen Funkspruch und ziehen sich zurück.

 

 

 


Die Leute im Dorf sind ratlos. Was hat das jetzt zu bedeuten? Die Angst vor dem Feind in unmittelbarer Nähe läßt die Frauen nicht mehr ruhen – jeder rennt nach Hause und hängt die Fahnen hinaus.

 

 

Auf dem Dorfplatz wird wieder diskutiert. Der Bürgermeister bietet sein letztes Quentchen Autorität auf und untersagt den Bürgern, die Panzersperre abzubrechen.

 

 


Mitten in den Aufruhr platzt die plötzlich zurückkehrende Wehrmacht. Der Leutnant schäumt vor Wut beim Anblick der weißen Fahnen. Mit Mühe können der Bürgermeister und einige besonnene Frauen ihn beruhigen.

 

 

Man versucht ihn davon zu überzeugen, daß seine Verantwortung jetzt nur noch im Schutz des Dorfes und seiner Einwohner liegt. Der Krieg ist verloren, das ist Tatsache.

 

Der junge Offizier zeigt sich am Ende einsichtig und leitet keine Vergeltungsmaßnahmen ein.

 

Nicht jeder Ort hatte dieses Glück: im nahe gelegenen Brettheim wurden in den letzten Kriegstagen noch drei Männer gehängt, weil sie einer Hand voll halbwüchsiger Hitlerjungen die Panzerfäuste und Gewehre weggenommen und sie heim zu Mama geschickt hatten.

 


 

Jetzt entdeckt der Leutnant aber an einem Fensterladen plötzlich ein Spottplakat auf die Partei.

 

 

Wütend zerreißt er es und will die Hausbewohner zur Rede stellen, aber die schlagen ihm die Haustür vor der Nase zu.

 

 

 

 

Trotzdem ist der junge Mann vernünftig genug, zu erkennen, daß er hier nichts mehr ausrichten wird. Resigniert zieht er mit seinen Männern ab nach Schwäbisch Hall.

 

 

 


Die Amerikaner sind schon längst wieder bis vor die Tore des Ortes zurückgekehrt und beobachten das Geschehen aus sicherem Abstand.

 

 

Werden sie Jagdflieger schicken und das Dorf dem Erdboden gleich machen?

 


Jetzt ist auf jeden Fall Eile geboten.

 

 

Ein Teil der Frauen hängt die Laken wieder zum Fenster hinaus, der Rest rennt zur Panzersperre und versucht, sie abzubauen.

 

 

 

Der Fuhrmann eilt mit dem Pferd herbei und reißt die Konstruktion aus Baumstämmen auseinander, die Frauen und jungen Mädchen schuften und zerren die Überbleibsel an den Wegrand, damit die Amerikaner ungehindert ins Dorf einfahren können.

 

Auf- und Abbau der Panzersperre im FILM                                        

 

Vor dem Bürgermeisteramt verbrennt die Sekretärin eilig verschiedene Akten und ein Bild des Führers.

 

 

Dann zieht sich jeder in sein Haus zurück und wartet in ängstlicher Stille auf den Einmarsch.

 


Nach einer Zeit bangen Wartens kommen die Amerikaner. Es ist nur eine kleine Gruppe, die das Dorf sichern soll. Das Gros der Armee marschiert geradewegs auf Hall zu.

 

 

Der von ein, zwei Dutzend Infanteristen begleitete kleine Jeep-Convoi hält auf dem Dorfplatz, die Soldaten suchen erst einmal Deckung und warten ab, was passiert.

 

 

Nichts rührt sich, man spürt förmlich, wie alle Beteiligten den Atem anhalten.

 

Der Bürgermeister und der Anführer des Volkssturms gehen den GIs vorsichtig mit einer weißen Fahne entgegen, um das Dorf zu übergeben.

 

 


Aus einem weiß beflaggten Haus treten auch zwei junge Mädchen mit einer Kanne heraus. Sie halten weiße Taschentücher hoch und wollen sich den Soldaten gegenüber freundlich zeigen und ihnen etwas zu trinken anbieten.

 

 

Die Amerikaner sind sehr angespannt, einer schlägt den Mädels mißtrauisch die Kanne aus der Hand. Schreiend rennen diese zum schützenden Haus zurück, die Männer lassen sie aber unbehelligt weglaufen.

 


Nun bemerkt einer der Amerikaner, daß eines der Häuser im Dorf nicht weiß beflaggt ist. Zwar hatte der Bürgermeister versichert, daß sich das ganze Dorf ergibt, aber das ist äußerst verdächtig. Einige GIs werden vorgeschickt, das Haus zu sichern.

 

Als der erste Soldat heftig an die Tür hämmert, öffnen zwei völlig verängstigte Frauen. Was wollen die? Keine weiße Fahne? Oh Gott! Es war ein Versehen gewesen, sie hatten einfach vergessen, die weißen Tücher wieder hinaus zu hängen.

 

 

Einer der Amerikaner spricht ein paar Brocken Deutsch. Er bedrängt die Frauen, fragt nach SS, nach Soldaten, nach Männern generell. Nein, oben seien nur Frauen und Kinder. Die Soldaten deuten ihnen mit den Gewehren, daß sie hinaus auf die Straße müssen. Verzagt stehen sie nun neben den sichernden Soldaten und das Herz klopft ihnen bis zum Hals.

 

Alle Hausbewohner werden nach draußen gejagt. Einziger Mann im Haus ist der Opa, der sich schützend vor die Enkelkinder stellt. An ihm und den Kindern sind die Amerikaner aber gar nicht interessiert.

 

 

Sie stürmen durch alle Kammern bis in den letzten Winkel und stellen das Haus auf den Kopf. Aber sie werden nicht fündig: kein Widerstand, kein versteckter Soldat, keine Waffen. Nur ein Bild des Führers hing noch hinter der Tür.

 

Nach gründlicher Durchsuchung kommen die amerikanischen Soldaten wieder nach draußen. Sie melden, daß keine Gefahr droht.

 

Das Führerbildnis landet mit einem deftigen Fluch auf dem Misthaufen. Die vorbei marschierenden Soldaten bedenken es noch mit Fußtritten.

 

 

Als ein kleines Mädchen am Wegrand weint, reicht ihr einer der GIs ein Stück Schokolade.

 

 

Zaghaft erscheint ein erstes Lächeln auf den Gesichtern.

 

 


Das Dorf ist befriedet, die Amerikaner ziehen einfach weiter Richtung Schwäbisch Hall. Nach und nach kommen alle Bewohner auf dem Dorfplatz zusammen. Es dauert eine kleine Weile, bis ihnen bewußt wird: für sie ist der Krieg nun zu Ende.

 

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