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Thomas Krauß
2019-07-11 19:57:00
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22 Schluß

Zweiundzwanzigstes Kapitel

Schluß

Friede und Freude, Wonne und Glückseligkeit hatten sich wieder eingestellt auf der Ritterfeste von Schwabeck.

Die Prüfung für die frommen Seelen war vorüber; sie hatten selbe im vertrauensvollen Aufblick zum allmächtigen Spender aller Hilfe glücklich überstanden; und der bittere Wermut war zur süßen Frucht geworden. Auch jene, deren Bosheit das schauerliche Elend angerichtet und die schreckliche Verwirrung herbeigeführt, durften nun als Neugeborene durch Buße und Besserung die Freudentage auf Schwabeck ungetrübten Herzens mit genießen.

Bald sahen die gräflichen Eltern von Schwabeck, wie die ritterlichen von Ulm, mit gerührtem Himmelsdanke auf eine eheliche Verbindung ihrer Kinder, wodurch jede unangenehme Erinnerung an die Vergangenheit vertilgt, und das Freundschaftsverhältnis für die Zukunft nur noch inniger festgehalten werden sollte. Und die Lieder der Minnesänger tönten von nun an lobpreisend von Ulrich und Schwinhilden.

Nach wenigen Jahren hatten die Großväter das Glück, ein Knäblein ihrer Kinder auf ihren zitternden Armen schaukeln zu können. Und die Großmütter lächelten höchst vergnügt in die Wiege eines Töchterleins der herzensguten Schwinhilde. - Der Fischveit von Costnitz, der seine alten Tage auf Schwabeck verbringen durfte, trug Ulrichs Knaben hinaus ans Ufer der Wertach und lehrte ihn Fische fangen. Der Knappe Kuno aber hielt ihn fest auf dem Rappen, wenn er zur Jagd ritt in den schwarzen Bärenbacherforst. Zu Hause jedoch, gedieh das Töchterlein in der treuen Pflege der zartbekümmerten Burgfrauen.

Gisela war von jener Zeit des Wiedersehens an Äbtissin geworden im Damenstifte Odilstetten, das ihr Bruder gestiftet hatte. Dort betete sie in der einsamen Zelle für das Wohl der Edlen auf Schwabeck, bis die Totengruft in der ehrwürdigen Stiftskirche ihre irdischen Gebeine umfing. In den jüngsten Tagen noch sah man in den Klosterhallen von Edelstetten das Bildnis der frommen Äbtissin.

Was sich mit Matthä Dampf zugetragen, man weiß es nicht. Weil aber derlei Spiegelfechter, Betrüger und Schwarzkünstler, die all ihr Sinnen und Treiben zur zum Schaden ihrer Mitmenschen anwenden, gewöhnlich unverbesserlich sind - so geht jetzt noch die dunkle Sage der Vorzeit unter den ländlichen Bewohnern jener Gegend, den bösen Zauberer habe der Schwarze geholt unter dem Brande von Schwabeck. - Sei dem, wie ihm wolle! So viel ist gewiß, daß er, im Falle er sich nicht gebessert, jenseits in ein Verderben gestürzt, vor dem der Allbarmherzige jeden Menschen gnädiglich bewahren wolle.

Diese Ereignisse in den schwäbischen Tälern, wie die vom Morgenlande, waren noch lang das Tagesgespräch der gräflichen Bewohner von Schwabeck; und Wernher ließ alljährlich ein Dankfest des Wiedersehens feiern, wobei die Armen und Bedrängten unter den Untertanen jedesmal reichlich bedacht wurden. Auch in der Esse des Hammers von Nettershausen wurde lang nachher die merkwürdige Geschichte oft besprochen. Und der sonst dumme Hammersteffel schüttelte diesmal ganz gescheit den Kopf und sagte lachend: "Hätt ich gewußt, was es mit der alten Trude für ein Bewandtnis habe, ich hätte mich wahrlich nicht so ängstlich vor ihr bekreuzt. Mit Vergunst aber, Kameraden, ich meine, es wäre gar nicht übel, wenn jeder Spuk und die abenteuerlichen Erzählungen von Gespenstern, Zwergen und solchem Zeuge einen so schönen und guten Ausgang nehmen würden, wie die Geschichte der Hexe vom Karrenberge "


Der Erzähler dieser Ereignisse aus früher Ritterzeit, ein Schwabe vom romantischen Mindeltale, wandelte gar oft als Knabe durch die anmutigen Auen und buschigen Hügel von Nettershausen, wo bis jetzt die Sage vom Weiblein vom Karrenberge sich forterhalten. Er erinnert sich gar oft der kindischen Furcht, die ihn befiel, wenn er mit seinen Jugendgespielen den Eichenforst durchstrich, wenn er die Brut der Grasmücke erspähte und das Nest der Raben auf den Gipfeln der alten Eichen belauerte.

"Kinder," warnten die guten Eltern, "nur sonntags Früh, wenn man zur Kirche läutet, geht nicht hinaus! Da wird die Hexe kommen vom Karrenberge, euch freundlich winken, daß ihr folgen müßt, und ehe ihrs denkt, seid ihr umschlossen von der nächtlichen Schlucht, wo kein Ausgang mehr zu finden und jeder verschmachten muß, der den Sonntagsgottesdienst versäumte." - Das merkten die Knaben. Und die einfältig frommen Herzen der Jugend.

Als Jüngling stand der Erzähler einmal unter den alten Ruinen von Schwabeck, das zu Anfang des dreizehnten Jahrhunderts von dem Hochstifte Augsburg wieder soll zerstört worden sein. Es war ihm sonderbar zumute an dieser Stätte ehemals ritterlichen Wohlstandes und deutschen Ruhmes, aber auch mannigfaltiger Drangsal und bitteren Unglückes. Und in wechselnden Farben schwebten die Bilder dieser Geschichte an ihm vorüber.

Er schrieb sie nieder. Und als er wieder einmal die Trümmer des alten Rittersturms besuchte, umsäuselten ihn gar freundlich kühlend wunderbar bewegte Gespensterlüfte aus den einzeln liegenden Quadern. Dies waren wohl die segnenden Geister der uralten frommen Ahnen von Schwabeck.