Das Jahr 1757 ist für die Einwohner im Gebiet von Schwäbisch Hall geprägt durch den Ausbruch des Siebenjährigen Krieges (1756-1763) und den Auszug der Kreistruppen. Daher muß nun auf andere Weise für die Sicherheit gesorgt werden.

Der Haller Rat behält zwar einige Soldaten zur Patrouille zurück, da sich "viel liederliches Gesind" auf dem Land einschleicht, aber die Tore der Reichsstadt werden jetzt von Bürgerkompanien bewacht und auch die Untertanen auf dem Lande sollen sich entsprechend bewaffnen.

Die Landbevölkerung wird von der Obrigkeit zum sogenannten „Streifen“ nach Streunern, Räubern und Deserteuren aufgefordert: man kontrolliert jeden Fremden und befragt Dorfbewohner und Bauern auf dem Weg zum Markt nach verdächtigen Beobachtungen. Grabenreiter und Schultheiß durchsuchen mit ihren Helfern Häuser und Schuppen in den Dörfern, ob sich dort jemand verstecke. Wer sich nicht durch entsprechende Papiere ausweisen kann, wird in Gewahrsam genommen. Neben einer Unkostenerstattung gab es für die Ergreifung eines Verdächtigen ein sattes Kopfgeld. Wer hingegen den Deserteuren Unterschlupf gewährte, dem wurden Leibesstrafen angedroht.

Grabenreiter und Amtmann

Sogenannte Umritte waren das übliche Mittel für den Amtmann nach dem Rechten zu sehen. Außer zu den Kirchenvisitationen und Viehmärkten kamen die Amtleute offensichtlich nicht sonderlich oft auf das Land. Daher nahmen die jährlichen Umritte eine besondere Stellung im Dienst des Amtmannes ein, kam er doch bei der Gelegenheit in direkten Kontakt mit den Untertanen und vor allem den zuständigen Schultheißen und weiteren Würdenträgern in den Gemeinden.

Der Grabenreiter pflegte einen ständigen Umgang mit dem Amtmann. Ritt der Grabenreiter wegen irgendwelchen Gründen aufs Land, so hatte er sich zuvor beim Amtmann zu melden, da die Aufgaben, die er eventuell von verschiedenen Vorgesetzten bekommen konnte, möglichst zusammengefasst werden sollten, damit wohl auch das Dienstpferd nicht unnötig strapaziert würde.

Offensichtlich nahm die Zahl der Raubüberfälle im Jahr 1757 dermaßen zu, dass sich die Reichsstadt noch im Dezember des Jahres zu einem Dekret veranlaßt sah. Darin heißt es, daß die Räuber „besonders die Landleüthe in ihren Häußern in starken Rotten überfalle[n]“ würden. Ziel war es „Räuber und DiebsRotten“ möglichst von den Grenzen schlichtweg durch Abschreckung fern zu halten. Nicht nur sollten die Untertanen auf dem Land die Dorfwachen bei Nacht emsig durchführen, sondern sich auch mit Gewehren, Pulver und Blei versehen.

Gemeinschaftlich durchgeführte Streifen von Beamten, Landleuten und Soldaten waren an der Tagesordnung. So erwähnt der Auszug aus einem Ratsprotokoll von 1750 bereits, man ließ „die Herr Beamten nicht nur eine Streif anstellen, sondern auch patroulliren; deßwegen sie unter sich selbsten miteinander, auch so nöthig mit Benachbarten, communicieren“ sollten. Hall erläßt als Reaktion auf Überfälle ein Schreiben an Carl August von Baden-Durlach zur Beurlaubung einiger Musketiere vom Kreiskontingent wegen „Unsicherheit in dieser Landes-Gegend“. Die Soldaten sollten eventuell bei der Verfolgung der Räuber behilflich sein.

Auch in Wackershofen gehen Amtmann und Grabenreiter mit dem Schultheiß und ein paar Männern auf Streife. Der verdächtige Niederländer mit den Irdenwaren hat zwar gültige Papiere, aber auf dem nächsten Hof hat sich tatsächlich ein Deserteur versteckt. Der Bube versucht, mit Waffengewalt zu entkommen, wird aber vom Grabenreiter und seinen Begleitern gestellt und verhaftet. In Ketten wird er nach Hall ins Gefängnis verbracht.

Gestreift wurde auch nach Hausierern. Die städtische Krämerzunft wurde angewiesen anzuzeigen „welchem eigentlich die Schuld beyzumeßen seye“. Es scheint hier also darum zu gehen, daß die Hausierer mit Genehmigung der städtischen Krämer ihr Gewerbe betreiben durften. Ob diese Genehmigung vorlag konnte nur nach Einbringung der Verdächtigen in der Stadt festgestellt werden. Das Streifen stand sozusagen auf der Tagesordnung und kam immer wieder vor, wenn man besondere Gründe dazu sah.

Unterdessen geht das alltägliche Leben seinen Gang.

Küche:

Wäscherinnen:

Im Schankraum des Gasthofs:

In der guten Stube:

Auf dem Hof:

Hoch zu Roß:

Portraits:

(Veranstaltung aus dem Jahr 2017)

Wer ist sonst noch da

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