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Obwohl der dritte Tag unsere weitaus längste Etappe ist, bereiten wir uns am Grillplatz der Köhlerhütte ein gemütliches Frühstück. Es gibt sogar heißen Kaffee, denn wir haben Milch, Zucker und löslichen Kaffee dabei und können in der kleinen Bratpfanne ein bißchen Wasser heiß machen. Frisch gestärkt und guter Dinge starten wir gegen 9:00 Uhr - eine volle Stunde später als eigentlich geplant. Der Weg führt am Kammerbach entlang, dann vorbei an der Alten Tambacher Talsperre. Den Ort Tambach-Dietharz selbst streifen wir nur am Rande, aber wir müssen jetzt vom Tal wieder hinauf zu unserem Höhenweg.

 

Der schmale Martin-Luther-Weg führt steil bergauf. Oben, kurz vor der Einmündung in den größeren Weg, versperrt uns ein umgestürzter Baum den Durchgang. Bert packt die Machete aus, schlägt die kleineren Äste der dürren Baumkrone ab und rodet rechts daneben ein kleines Areal, das zum Glück nur mit niedrigem Buschwerk bewachsen ist. Hier kann Rufus ganz vorsichtig den Karren um das Hindernis herum ziehen.

FILM Baumstamm

Wir dachten, wir sind jetzt oben? Weit gefehlt! Er geht auf dem größeren, leicht geschotterten Weg weiterhin stetig bergauf. Ich kann zwar auf Emmeram reiten, der Karren ist aber zu schwer für die Steigung und Bert läuft zu Fuß neben Rufus her.

So etwa gegen 11:00 Uhr stelle ich plötzlich mit Schrecken fest, daß etwas am Karren nicht stimmt. Mir war es vorher nicht aufgefallen, weil ich seit dem Morgen den Wagen gefahren hatte und auf dem Kutschbock saß. Jetzt beim Hinterherreiten bemerke ich aber, daß da irgendwie Gepäck fehlen muß. Emms Zuggeschirr, das wir ihm heute wegen einer kleinen Verletzung nicht aufgelegt hatten, dazu Berts warme Mittelalter-Schecke, meine grüne Regenjacke - nicht zu sehen. Au weia!

Zurücklassen ist keine Option. Bert beschließt, auf Emm entlang unserer Strecke zurück zu reiten und das Gepäck zu suchen. Rufus muß er mitnehmen, denn hier in der Fremde können wir die Pferde nicht trennen, sie würden sich beide viel zu sehr aufregen. Rufus wird also ausgeschirrt, Bert steigt auf Emmeram und nimmt Rufus als Handpferd mit. Ich warte derweil am Karren, Maja kehrt nach ein paar Metern Begleitung auch wieder um und bewacht mich und den Karren.

 

Zum Glück findet Bert das teure Zuggeschirr - allerdings erst ganz unten am Martin-Luther-Weg! Er legt Emm sein Geschirr wieder an, verzurrt die Jacken am Sattel und reitet zurück - zügig im Trab. Der widerspenstige Rufus darf frei laufen und überlegt sogar kurz, ob er nicht wieder zur Köhlerhütte zurücklaufen soll. Diese ungeplante Aktion ist sehr anstrengend für die Pferde, müssen sie doch die gesamte Steigung zum zweiten Mal gehen. Außerdem bedeutet es einen empfindlichen Zeitverlust für uns.

Die dringend notwendige Verschnaufpause verbringen wir an der Alten Ausspanne. Unser Zeitplan ist komplett obsolet, wir beginnen, uns zu fragen, ob wir unser Etappenziel überhaupt an diesem Tag noch erreichen können. Gott sei Dank ist es zu dieser Jahreszeit ja lange hell...

 

Nach dem Kleinen Inselberg mit dem Funpark wandern wir wieder durch den Wald.

Wir erhalten unterwegs vielfach Tipps von Passanten: von einem Radfahrer, der Mitglied des Rennsteigvereins ist, oder von eine Joggerin, die uns auf einem Waldweg begegnet. Wir müssen aber feststellen, daß unser Fuhrwerk doch etwas anderes ist. als sich die Leute vorstellen. Einmal ist der Weg zu buckelig für uns, da würde der Karren umkippen, ein anderes Mal gehen wir einen Riesen-Umweg, der vermutlich gar nicht nötig gewesen wäre. Man rät uns eindringlich, den Großen Inselberg zu umgehen und wir verzetteln uns im Wald beim Versuch, die Wege zu finden, die uns empfohlen worden waren. Hätten wir den Inselberg einfach auf der Asphaltstraße überquert, wären wir vermutlich schneller und mit weniger Anstrengung weiter gekommen.

FILM Tag 3

Längst haben die Pferde das letzte mitgeführte  Wasser getrunken, sie sind total k.o. und suchen die spärlichen Pfützen um zu saufen. Schließlich erreichen wir den Gasthof Dreiherrnstein. Obwohl es schon 18:00 Uhr und eigentlich geschlossen ist, bekommen die Pferde Wasser und auch wir werden mit Radler und Saftschorle getränkt. Mit neuen Lebenskräften versehen, entscheiden wir uns als Alternative zum Rennsteig jetzt für die kleine Asphaltstraße, denn hier können wir die Pferde traben lassen und Zeit gut machen. Punkt 20:00 Uhr - nach 11 Stunden unterwegs - erreichen wir das Hubertushaus bei Ruhla. Die Pferde bekommen heute Nacht eine kleine Waldkoppel und eine üppige Heuportion, die wir in weiser Voraussicht auch hier vorher deponiert hatten. Wir Menschen bekommen auch ein spätes Abendessen und ein gemütliches Bett.

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