Landschaft und Dörfer am Mekong
immer noch 12. Februar 2026
Wir wandern einen sandigen Weg zum Flußufer herunter und betreten unser Schiff barfuß - die Straßenschuhe bleiben in einem Schrank am Eingang. Jetzt legt die Mekong Pearl ab und unsere spannende Kreuzfahrt flußabwärts auf der "Mutter aller Wasser" kann beginnen.
Leinen los!
Auf Lao und Thai wird der Mekong oft als „Mae Nam Khong“ bezeichnet. „Mae Nam“ bedeutet wörtlich „Mutter des Wassers“ oder „Mutter der Flüsse“, während „Khong“ der Eigenname des Flusses ist. Der Mekong gilt als „Mutter“, weil er als spektakuläre Lebensader für sechs Länder fungiert: China, Myanmar, Laos, Thailand, Kambodscha und Vietnam.
Die folgende umfangreiche Bildergalerie versucht, die Eindrücke der Landschaften am oberen Lauf des Mekongs einzufangen.
Die Bilder stammen vom gesamten Reiseverlauf und zeigen Natur, Felsen im Fluß (Niedrigwasser!), Dörfer am Ufer, Goldwäscher im kleinen und auch im größeren Stil, Wasserbüffel oder Kühe am Strand, kurzum: die vielfältigen Impressionen der Fahrt.
Ban Houay Phalam
Gleich am ersten Nachmittag legen wir an dem Dörfchen Ban Houay Phalam an. Die Bewohner sind Khmu, also Mittellandlaoten (d.h. aus höheren Regionen, aber nicht direkt Bergvölker wie die Hmong). Die Khmu stellen möglicherweise die Urbevölkerung des nördlichen Laos dar, sie wurden von später einwandernden Ethnien in die Berge verdrängt. Sie sind nach den Lao die größte ethnische Gruppe und stellen etwa 11% der Gesamtbevölkerung.
Auf dem Rundgang durch das Dorf können wir das Alltagsleben der Bewohner sehen. Ein bißchen ist es wie ein Besuch im Zoo - andererseits werden wir Touristen von den Khmu teilweise auch mit Interesse beobachtet, wie eine Art exotisches Fernsehprogramm. Sprich: wir sind genauso interessant für die Dorfbewohner wie sie für uns. Ein paar ältere Bewohner ziehen sich zwar offenkundig zurück, aber die Kinder zum Beispiel sind alle da und laufen mit uns durchs Dorf. Überall sehen wir die typischen Pfahlbauten: der Wohnraum ist erhöht und somit weitgehend vor Tieren geschützt. Der schattige Platz unterm Haus wird als Lager oder zum Arbeiten genutzt.
Bevor wir wieder an Bord gehen, treffen wir einige Frauen, die tagsüber am Mekong nach Gold gesucht haben. Eine der drei Goldwäscherinnen war tatsächlich erfolgreich. Die anderen zwei haben den ganzen Tag für nichts und wieder nichts in der prallen Sonne geschuftet.
Die Nacht verbringen wir verankert vor dem Dorf. Einer der Dorfhunde sitzt den ganzen Nachmittag, die ganze Nacht und den nächsten Morgen am Ufer, auf Höhe des Kombüsenfensters. Die Hündin kennt das Schiff und sitzt immer da, wenn die Mekong Pearl vor Ban Houay Phalam liegt. Und richtig: ab und zu fliegt auch was aus dem Fenster... Als wir ablegen, trollt sie sich.
13. Februar 2026
Die Fahrt ist gemächlich. Langsam und entspannend zieht die Landschaft an uns vorbei. Am Vormittag nimmt sich unser Koch die Zeit, der Reisegruppe die Zubereitung des laotischen Nationalgerichts "Laap Muu" zu zeigen. Es handelt sich dabei um einen Salat aus kurz gegartem Schweinehack, das mit Zitronengras, Galgant und Kaffirlimette vermengt wird. Minze und Koriander bringen angenehme Frische. Serviert wird Laap mit Klebreis, den man zu kleinen Bällchen formt, um damit den Salat aufzunehmen.
Ban Kok Aek
Der Landgang am Nachmittag führt uns durch das Dorf Ban Kok Aek. Es handelt sich um ein gemischtes Dorf der Tief-, Mittel- und Hochlandlaoten. Die Regierung hat hier mehrere Dörfer zusammengelegt, um eine gute Infrastruktur zu schaffen. Es gibt eine große Schule mit allen Klassenstufen, eine Markthalle, Geschäfte, eine Krankenstation und Straßenanschluß. Dieses Dorf ist - im Gegensatz zum Vorigen - also nicht nur per Boot über den Mekong erreichbar.
Wieder sind die Kinder allgegenwärtig und folgen uns auf Schritt und Tritt. Kein Wunder, denn sie bekommen von der Schiffsbesatzung Bonbons bzw. Lutscher verteilt. Wir selbst haben allerdings strikte Anweisung, keinem Kind irgend etwas zu schenken, um sie nicht zum Betteln zu animieren.
Als besondere Attraktion hat eine Lehrerin mit ein paar älteren Schülerinnen einige Tänze einstudiert. Die jungen Frauen haben die Choreographie selbst erarbeitet, Musikauswahl und Tanzbewegungen sind ein Mix aus Folklore und Thai-Pop. Die Mädchen schwanken zwischen Nervosität und Stolz, als sie ihre Tanznummer vor Publikum vorführen dürfen.
Wir bleiben hier über Nacht und lichten erst morgen früh den Anker - oder besser: lösen die Leinen von den eingeschlagenen Holzpfählen.