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Tempel und Religiosität

Luang Prabang beherbergt über 30 aktive buddhistische Tempel (Wats). Die Tempelarchitektur zeichnet sich durch den "Luang Prabang-Stil" aus, der durch tief geschwungene, mehrstufige Dächer gekennzeichnet ist, die fast den Boden berühren. Diese Holzkonstruktionen sind reich verziert, oft goldfarben, und kombinieren traditionelle laotische Elemente mit goldenen Mosaiken und Schnitzereien.


 

Wat Xieng Thong

Der Wat Xieng Thong ist der wichtigste Tempel der Stadt. Als einer der architektonisch schönsten Tempel Luang Prabangs und eine der bedeutendsten Tempelanlagen in ganz Laos ist Xieng Thong ein beeindruckendes Beispiel für die Verbindung von Religion, Kunst und Tradition. Er wurde 1560 als königlicher Tempel erbaut und stand bis 1975 unter königlicher Schirmherrschaft. Wichtige Zeremonien wie Königskrönungen fanden hier statt. Auch die Urnen der königlichen Familie werden hier aufbewahrt.

         
   


Das Areal umfaßt zahlreiche Nebengebäude, wie die Halle mit der Begräbniskutsche von König Sisavangvong (1885-1959) und die "Rote Kapelle" mit einer bronzenen Buddhastatue aus dem 16. Jh. (siehe unten). Diese Kapelle ist rundherum mit einem Mosaik aus bunten Glassteinen verziert.

 

 


 

Wat Ho Prabang

Wat Ho Prabang ist ein neu erbauter Tempel auf dem Gelände des ehemaligen Königspalasts. Er dient als prunkvolles Zuhause für den heiligen Phra Bang („Königliches Buddhabildnis, das Leiden auflöst“), das wichtigste buddhistische Bildnis in Laos. Es befindet sich seit dem 14. Jahrhundert in der Stadt Luang Prabang, die nach der Statue benannt ist.

Die Statue ist 83 cm hoch und stellt einen stehenden Buddha dar, dessen Handflächen nach vorne weisen. Sie besteht aus mit Blattgold überzogener Bronze und soll gemäß der Überlieferung ursprünglich zwischen dem 1. und 9. Jahrhundert in Ceylon gegossen worden sein. Die Details der Figur verraten aber eine sehr viel spätere Arbeit aus der Khmer-Zeit. Das Phra Bang kam 1353 aus Angkor nach Luang Prabang und sollte zur Verbreitung des Theravada-Buddhismus im Königreich beitragen. 1359 überließ der Khmer-König die Statue seinem Schwiegersohn Fa Ngum, dem ersten König von Lan Xang. Die erste Hauptstadt des Reiches ist nach dem Bildnis benannt: Luang Phrabang.

 


Heute bleibt der Phra Bang unter Verschluß und wird nur während des laotischen Neujahrs in den Wat Mai überführt und drei Tage lang ausgestellt. Gläubige Pilger aus dem ganzen Land kommen dann, um die Statue in einer Zeremonie mit Wasser zu besprenkeln und dabei Wünsche zu äußern.



 

Wat Sene Soukharam

Im 1718 erbauten Wat Sene Soukharam gibt es viele glitzernde Details zu bestaunen. Für den Bau wurden 100.000 Steine aus dem Mekong verwendet. Zum Tempel gehört eines der größten Klöster Luang Prabangs.

 

 


 

Wat Xieng Muan

Das exakte Alter des Wat Xieng Muan ist nicht bekannt. Sicher ist, dass der Sim (das Kernstück) Mitte bis Ende 1800 erbaut wurde. Der Tempel selbst ist nach Ansicht von Experten wesentlich älter.

Die Decke des Tempelgebäudes ist kunstvoll mit Gold verziert. Eine Besonderheit sind die angegliederten Wohnräume, die mit Hilfe der UNESCO restauriert wurden. Hier werden Novizen und junge Mönche in den traditionellen Handwerkskünsten zur Erhaltung des Tempels ausgebildet.

 

 


 

Wat Sop Sickharam

Ursprünglich etwa 1480 von König Souvanna Banlang als Grabtempel für seinen Vater König Chakaphat erbaut, stammen die heutigen Gebäude aus dem 19. und 20. Jahrhundert.

 


 

Wat Siphoutthabat Thippharam

 

 


 

Wat Syrimoungkoun Xaiyaram

 

 


 

Hier noch einmal die geballte Pracht der Tempel von Luang Prabang:



 

Almosengang


Aus all diesen vielen Klöstern machen sich die Mönche Tag für Tag frühmorgens auf den Weg, um Almosen in Form von Speisen zu sammeln. Die Gläubigen können sich gute "Karma-Punkte" verdienen, wenn sie den Mönchen Klebreis (oder auch andere Speisen) spenden. Sie setzen sich gegen 5:30 Uhr an die Straße und geben jedem einzelnen der vorbeikommenden Mönche ein kleines Bällchen Klebreis in den Beutel. Andere Speisen (Gemüse, auch Fleisch) werden in Plastikbeutelchen verpackt abgegeben. Luang Prabang ist eine reiche Stadt, die Leute können es sich leisten, großzügig zu sein. Die Mönche nehmen weitaus mehr ein, als sie selbst benötigen. Der Überschuß wird dann vom Kloster an Bedürftige weitergegeben.

Der Almosengang ist entlang der Hauptstraße Sakkaline Road leider zu einer Touristenattraktion verkommen. Fremde - hauptsächlich Chinesen - zahlen den findigen Geschäftsleuten viel Geld für ein Höckerchen und einen Korb mit Reis, um "teilnehmen" zu können. Wir hingegen stehen in einer kleinen Nebenstraße - in erster Linie Wohngebiet - und erleben den Almosengang in seiner ursprünglichen Form. Hier kommen die Anwohner mit ihren Gaben direkt aus dem Haus und setzen sich an die Straße. Wir Touristen halten uns möglichst im Hintergrund und machen nur ein paar Fotos.




Da die Gaben in der wohlhabenden Stadt üppig ausfallen, kommen auch Mönche vom gegenüberliegenden Mekongufer, um hier am Almosengang teilzunehmen. Danach fahren sie mit gefüllten Beuteln mit dem Boot wieder über den Fluß zurück in ihr Kloster.


 

Animismus und Baci-Zeremonie

Animismus (Geisterglaube) ist in Laos tief verwurzelt und existiert oft parallel zum Theravada-Buddhismus, insbesondere im ländlichen Raum und bei ethnischen Minderheiten. Er prägt den Alltag durch die Verehrung von Natur- und Ahnengeistern (Phi). Diese beiden Glaubenssysteme existieren meist synkretistisch nebeneinander. Der Glaube an Geister und beseelte Natur ist integraler Teil der sozialen Identität. Er umfasst Rituale wie die "Geisterhäuschen" vor den Häusern oder die Baci-Zeremonie - ein traditionelles laotisches Ritual, das Glück, Gesundheit und Harmonie durch das Binden weißer Baumwollfäden um die Handgelenke fördern soll. Es wird bei wichtigen Lebensereignissen wie Hochzeiten, Geburten oder Reisen durchgeführt, um die 32 Schutzgeister des Körpers zu binden und zu ehren.
 
  • Verbreitung: Schätzungen zufolge praktizieren etwa ein Drittel der Bevölkerung oder große Teile der ländlichen Minderheiten den Animismus aktiv.
  • Die Geister (Phii): Die Laoten glauben, dass Geister (Phii) in Flüssen, Bäumen, Wäldern, Häusern und Dörfern wohnen.
  • Alltagspraxis: Da Geister das Leben durch Gebote und Tabus steuern, werden ihnen Opfergaben dargebracht, um sie gnädig zu stimmen.
  • Verbindung mit Buddhismus: Selbst in Städten sind buddhistische Praktiken oft mit animistischen Elementen verwoben. Die Baci-Zeremonie (Verbindung der Seelen) ist ein zentrales Beispiel für diese Verschmelzung.
  • Regionale Unterschiede: In Bergregionen ist der Animismus stärker vertreten, während im Tiefland der Buddhismus dominiert.

Auch für uns wird an Bord eine Baci-Zeremonie durchgeführt.

 
Geisterhäuschen   Baci-Zeremonie




Äußerst spannend finde ich übrigens den interaktiven Stadtplan von Luang Prabang, den ich zufällig im Netz gefunden habe...