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Der Fuhrmann und sein Weib fahren mit Jungpferd Rufus ins Saarland nach Bexbach, um am "Call to arms" teil zu nehmen.

Auf dem Utopion-LARP-Gelände liegen sich auch 2013 wieder Burgunder und kaiserliche Truppen gegenüber. Das Highlight der Veranstaltung sind die elf burgundischen Reiter, die mit ihren Pferden zum Teil aus den Niederlanden und sogar aus England kamen. Rufus hingegen ist das einzige "imperiale" Pferd und soll vor allem den Wagen ziehen.

 

Albert der Fuhrmann und Rufus, sein junges Karrenroß

Nachdem sich die erste Aufregung gelegt hat und ein paar Spazierfahrten zwischen den Lagern absolviert wurden, wird Rufus auch für militärische Zwecke eingespannt. Der Fuhrmann stellt fest, daß man "Lilith", die neue Kanone des Ulmer Aufgebots, hinten am Karren befestigen kann.

 

Die Kanone wird von Rufus bis in Sichtweite des burgundischen Lagers gezogen und von den Schützen abgehängt. Die Ulmer haben zwei geladene Kammern dabei. Rufus wird ein paar Meter zur Seite geführt, dann feuern die Schützen die beiden Schüsse auf die Burgunder ab und hängen die Kanone in aller Ruhe wieder an. Bis sich die Burgunder sortiert haben und den Hügel herunter stürmen, ist Rufus samt Kanone schon auf und davon.

Rufus vor der Kanone

Weil das so gut funktioniert hat, wird Rufus auch wieder angefordert, um die Kanone einen Hügel hinauf in die vom Reichsaufgebot eingerichtete Kanonenstellung zu ziehen. 350 kg wiegt sie, da muß sich unser armes Pferdchen ganz schön plagen. Unter gemeinsamer Anfeuerung durch den Fuhrmann und die Schützen schafft Rufus den Anstieg mit Lilith im Schlepptau.

Kaiserliche Kanonenstellung auf dem Hügel

Rufus' Aufgabe ist es im weiteren Verlauf der Aktionen, Material zum Ausbau der Artilleriestellung heranzukarren: Stühle und Hocker, Planen und Stangen zum Bau von Regenunterständen, Pulverkisten - ja sogar die wertvolle Drehbasse des Nürnberger Hauptmanns wird auf unseren Karren geladen. Mehrere Stunden stehen der Fuhrmann und sein Karrengaul bei Wind und Wetter in der Kanonenstellung. Das Geschützfeuer und das Donnern der Kanonen interessiert Rufus mittlerweile überhaupt nicht mehr - er möchte bitteschön ein bißchen grasen.

Trotz der diversen geleisteten Fuhrdienste für das kaiserliche Aufgebot ist der Fuhrmann prinzipiell unabhängig und unpolitisch. Das Fuhrunternehmen fährt für den, der bezahlt.

Daher sind wir auch im burgundischen Lager willkommene Gäste. Wir können uns dort auch gleich nützlich machen und das angelieferte Brennholz an die einzelnen Kochstellen verteilen. Die burgundischen Küchenmägde freuen sich, daß sie das Feuerholz nicht holen müssen.

Rufus ist der Liebling aller Mädels und wird von allen Seiten beknuddelt und beschmust.

Bei so viel aufregenden und anregenden Eindrücken ist Rufus abends natürlich hundemüde. Er hat seine Koppel direkt hinter dem Kontor des Fuhrmanns und kann seine Nase sozusagen direkt ins Schlafzimmer stecken.

Als wir abends entspannt im Kontor zusammen sitzen, holt der Fuhrmann sein treues Roß auch dazu.

Rufus legt sein Haupt auf Herrchens Schoß und träumt davon, ein stolzes Schlachtroß zu sein.

Sieht sein Traum vielleicht so aus?

Aber vielleicht ist es doch besser, mit einem hübschen kleinen Karren gemütlich durch die Landschaft zu tingeln...

Freitag nacht schleichen sich einige kaiserliche Trupps ins burgundische Lager, von dessen Besatzung unbemerkt. Während die Burgunder bei Wein, Weib und Gesang feiern, werden ihnen sämtliche Kanonen aus der befestigten Stellung heraus gestohlen und mehrere Meter den Hang hinunter gerollt.

Als Trophäen führen die übermütigen Söldner burgundische Banner, Pavesen und Stangenwaffen mit zurück ins imperiale Lager, sogar eine Mistgabel wird entwendet, und einer unserer Offiziere trägt am nächsten Morgen den modischen hohen burgundischen Hut des gegnerischen Reiterhauptmanns...

Die Beute der Nacht war so üppig, daß Rufus sie mit dem Karren ins burgundische Lager zurückbringen muß, eine ganze Wagenladung voll!

Nach der Beendung der Kampfhandlungen durch den glorreichen Sieg der kaiserlichen Truppen über den burgundischen Feind liefert der Fuhrmann eine Frontstollentruhe des kaiserlichen Tischlers an einen burgundischen Kunden aus. Auf dem Rückweg nimmt er ein paar hübsche flämische Mädels mit auf den Wagen. Die Maiden becircen und verzaubern Fuhrmann und Tischler dermassen, daß beide eine tiefe Mulde in der Wiese übersehen und der Karren mit vollem Schwung hineinrumpelt.

Ein fieses "Kracks" und der Wagen hängt schief, der Fuhrmann purzelt vom Bock und stößt sich sensible Körperteile empfindlich an. Rufus benimmt sich vorbildlich, er bleibt sofort stehen und wartet geduldig, bis er ausgeschirrt wird.

Nun ist er dahin, Rufus' schöner Karren! Ein klassischer Radbruch, alle Speichen sind gebrochen.

Die Trümmer des Karrens bleiben erst mal in der Wiese liegen, bis sie nach Ende der Veranstaltung mit dem Auto abgeholt werden können. Die Mädels führen einen vergnügten Rufus heim in unser Lager, während der fluchende Fuhrmann erst mal den Schaden begutachtet. Am Abend ersäufen der Fuhrmann und sein Weib ihren Kummer über den Verlust des Wagens in der Taverne.

Sonntag ist Markttag, aber ohne Karren müssen wir den weiten beschwerlichen Weg zu Fuß antreten. Rufus wird mit zwei Weidenkörben ausgestattet und begleitet uns als Packpferd. Die Körbe stören ihn nicht im geringsten, denn sie wurden vor seinen Augen mit ein paar Karotten bestückt. Rufus schafft es tatsächlich, seinen Schnuff so weit zur Seite zu biegen, daß er mit der Nase in einen Korb kommt...

Fuhrmann nebst Weib gehen in aller Ruhe einkaufen, während Rufus von seiner holländischen Freundin betreut wird. Als wir uns nach ihm umdrehen, sehen wir ein Pferd mit seitlich hängendem Sattel und einem Korb zwischen den Beinen, dazu eine junge Frau, die verzweifelt versucht, den Sattel wieder in seine richtige Lage zurückzuschieben. Rufus' einzige Sorge ist, daß er immer noch nicht an die Karotten rankommt. Herrchen sattelt ihn neu und paßt jetzt selber auf, daß der junge Mann keinen Unsinn macht.

Nach dem Markt ist die Veranstaltung beendet. Jetzt muß alles wieder abgebaut und zusammengepackt werden. Kaum zu glauben, daß das alles in einen VW-Bus und einen (halben) Pferdeanhänger paßt...

Um 21:30 Uhr sind wir mit dem Packen fertig und Rufus darf auf seiner Seite des Pferdetransporters einsteigen. Kurz nach 2:00 Uhr morgens fahren wir daheim auf den Hof, laden unseren vierbeinigen Helden wohlbehalten aus und fallen todmüde ins Bett.

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