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Der Bund Oberschwäbischer Landsknechte führt vom 26. bis 28. April 2013 ein Drillwochenende durch im Oberschwäbischen Museumsdorf Kürnbach (Bad Schussenried).

Bert fährt mit Rufus hin - ein perfektes Training für Gelassenheit.


Ich schiebe alle Bedenken beiseite und lasse Bert am Freitag dem 26. April, seinem Geburtstag, allein mit seinem Rufus zum BOL-Drill nach Bad Schussenried fahren. Der Plan ist, Rufus einfach mit dabei zu haben, ihm den Trubel zu zeigen und vielleicht mal in Begleitung eines anderen Reiters ein wenig im Museumsdorf spazierenzureiten.

Als Bert eintrifft, sind schon einige der anderen Reiter da. Bert kann Rufus erst mal zu den anderen Pferden dazustellen, während er sein Zelt und Rufus' eigenen Paddock aufbaut.

"Es ist schön zu sehen, wie entspannt dort mit Pferden umgegangen wird. Als ich ankam, hieß es:' Stell ihn einfach dazu, die zwei kennen sich auch erst seit ner Stunde.' Und was soll man sagen - es gab wie erwartet ein wenig Geschnupper, Gequieke und ein paar angelegte Ohren, dann war das Gras wieder wichtiger. Im Laufe der Zeit standen dann 5 fremde Pferde auf einem Haufen. Ärger gab es erst, als sie wieder getrennt wurden: Rufus und der weiße Noriker (Lord) hatten sich angefreundet und Lord kam nach einiger Zeit wieder anspaziert, um seinen Kumpel zu besuchen. Wir haben die Zwei dann eine Zeit lang zusammen gestellt, und dann war erst mal Ruhe. Rufus hat sich später revanchiert und ein paar Zaunpfosten zerdeppert um zu sehen, wo wir seinem neuen Kumpel inzwischen hingestellt hatten. Aber auch das wurde ganz entspannt geregelt. 'Wo wollen sie denn auch hin?' hieß es nur.

Man weist mir einen sehr schönen Platz an, wo ich mein Zelt und den Paddock für Rufus aufbauen kann. Auch das ist völliges Neuland für ihn, neben einem Zelt und nur hinter einem so niedrigen Zaun zu stehen. (vorsichtshalber war aber doch Strom drauf ;-) Der Eingang zum Paddock lag auf der anderen Seite des Vorzeltes. Um ans Gras zu kommen, mußte man also erst mal unter dem niedrigen Vorzelt durchtauchen (Iiiihhh, das fasst mich an!!!) Dann war aber erst mal grasen angesagt, denn im Gegensatz zu unserer Gegend stand hier das Gras schon üppig hoch..."

Irgendwann im Laufe des Tages geht 100 Meter gegenüber von Rufus' Paddock die Artillerie in Stellung:

Die Büchsenschützen ziehen etwa 70 Meter entfernt dazwischen auf und dann feuern sie mit den Kanonen um die Wette, was die Rohre hergeben:

" Einerseits war ich mit dem Kleinen ja extra zu dem Drill gefahren, damit er sowas kennen lernt, aber doch nicht gleich am ersten Tag und direkt vor meiner Koppel - aber es hilft nix, jetzt knallts erst mal. Ich hatte keine Ahnung, wie der Jungspund auf Kanonendonner und Büchsenfeuer reagieren würde - wenn er wirklich durchgeht, hält ihn weder der Paddock noch ich oder der Museumszaun. Nur die Erfahrungen an den letzten beiden Sylvestertagen ließen mich ruhiger an die Sache rangehen. "

Bei den ersten Salven zuckt Rufus noch zusammen, aber es wird pausenlos weiter geschossen und bald hat er erkannt, daß der Krach überhaupt nicht gefährlich ist. Unser Kleiner hat Pulverdampf geschnuppert...

" Etwa eine halbe Stunde lang ist das Spektakel auf der anderen Seite der Wiese aufregend und ich muß den Bengel etwas festhalten, dann entspannt er sich langsam. Schließlich bleibt er so ruhig stehen, daß ich den Fotoapparat auf seiner Kruppe auflegen kann, um in Ruhe die Schützen beim Üben zu filmen. "

Abends nach einem Spazierritt durchs Dorf gehen Bert und Rufus noch ein Bierchen trinken in der zur "Reitertaverne" umfunktionierten historischen Kegelbahn.

" Die Schwierigkeit war, an diesem Türsteher vorbei zu kommen - rechts und links vom Eingang standen Bierkisten, für deren Inhalt sich mein Jungster sehr interessierte. Schließlich weiß er, das in Bierflaschen was Leckeres drin ist und so wollte er da nicht wirklich weg. Die erfolgreichste Strategie war übrigens Bestechung mit einer Karotte, aber auch ein freundliches 'Zurück' reichte aus, um den Eingang - kurzzeitig - frei zu bekommen. "

Ich besuche meine Jungs am Samstag, vor allem, um Rufus' Premiere als Reenactorpferd bildlich festzuhalten. Ich bin sehr beeindruckt, als die Schützen wieder volles Rohr loslegen und Rufus ganz entspannt dasteht und sich aufsatteln läßt.

Bert geht erst mal zu Fuß und führt Rufus, vorbei an den übenden Spiessern...

... hin zu den anderen Pferden, die auf der Wiese fürs Gefecht trainieren wollen:

Bert steigt auch auf und schaut zu, wie die Reiter üben, mit der Lanze gegen das Fußvolk anzureiten.

Rufus findet es nicht gut, daß die anderen Pferde (immer in Dreiergruppen) von ihm weglaufen und Bert beschließt, ihn einfach mitlaufen zu lassen.

Als Rufus in den Galopp fällt - zum ersten Mal im Leben mit Reiter - findet er das sehr seltsam und fängt an zu buckeln. Bert schimpft ihn von oben und Rufus läßt die Buckelei sein. Allerdings schaut Bert der wilden Hin- und Her-Galoppiererei jetzt doch lieber von unten zu.

Nach dem Training steigt Bert wieder auf und die Reiter ziehen kreuz und quer durch das Museumsdorf.

Bert wird immer mutiger mit seinem Rufus und schließlich sausen die beiden im Trab und Galopp mit der Truppe mit.

" Das klingt so einfach.... aber eigentlich war das so gar nicht vorgesehen. Unter der besonnenen Führung des Reiterhauptmanns (Philipp Stärk, http://www.rossfechter.de) und später durch den Locotenent Hartwig entwickelt sich das Ganze wie von selbst. 'Gehen wir doch mal im Schritt durchs Dorf'... Na gut, warum nicht.... 'Na, die gleiche Runde im leichten Trab?'... Sollte doch gehen, versuchen wir's.... ' Wagen wir mal ein kleines Galöppchen? '  Ähhhhh MOMENT, hab ich mit ihm noch nie gemacht.... Er wird den anderen schon irgendwie nachlaufen und jetzt stehen bleiben und die Kumpels weg reiten lassen ist nicht wirklich eine Option. Also gehts langsam los, erst Schritt, dann Trab und dann fallen die vorderen Pferde in einen langsamen Galopp. Als der Abstand zu groß wird, galoppiert Rufus auch los und nimmt mich ganz selbstverständlich mit, als ob es nie was anderes gegeben hätte als im Pulk mit anderen Reitern um die Häuser zu flitzen.

An dieser Stelle auch mein Dank an die BOL-Reiterei, die einen Neuling mit einem unerfahrenen Pferd einfach so mitgenommen haben. Sie haben nie mehr verlangt, als möglich war und trotzdem immer genug Anreiz geboten, Neuland zu betreten und sich von der Dynamik ihrer Aktionen mitreißen zu lassen. Ohne dieses Wochenende wäre Rufus jetzt nicht in Reitausbildung."

Rufus ist einfach großartig und meistert seine Aufgabe mit Bravour.

Herrchen ist unheimlich stolz und bringt das Grinsen gar nicht mehr raus aus dem Gesicht. Völlig entspannt steht Rufus mitten im Gewühl. Gröhlende Menschenmengen, lange Spiesse, Kanonendonner, Treffer mit Pfeilen, Trommeln und Dudelsäcke, das kann ihm alles nichts anhaben.

Einzig und allein die Tatsache, daß ihn das strenge Herrchen nicht unterm Sattel grasen läßt, ärgert Rufus. Zweimal legt er sich unterm Reiter hin, um kurzerhand im Liegen zu fressen!

Ich muß leider am Samstagabend wieder nach Hause. Bert und Rufus haben noch einen spannenden Sonntag für sich alleine, als Zuschauer beim Tjost...

... und vor allem im wilden Galopp durchs Museumsdorf und mitten hinein ins Gefecht.

Rufus wird sehr gelobt, vor allem von den erfahrenen Reitern.

Gegen 16 Uhr ist die Veranstaltung zu Ende. Wohlbehalten kommen meine zwei Jungs am Abend nach Hause. Rufus bekommt erst einmal Schläge von seiner Mutter Gilette, weil er einfach alleine fortgefahren ist. Dann besinnt sie sich aber und fängt an, ihn anzurossen.

Tja, Rufus ging weg als kleiner Bub, nach drei Tagen kehrt er zurück als Mann...