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2015 sind wir zum dritten Mal bei der Anno Domini Veranstaltung im Hohenloher Freilandmuseum in Wackershofen eingeladen. Diesmal haben wir etwas Besonderes vor: wir wollen mit unserem Karren gleich im Stil von Anno 1765 anreisen.

Leider können wir nicht ganz von zu Hause starten, denn wir haben nur drei Tage Zeit. Also fahren wir am Wochenende schon mal unser großes Gepäck ins Museum und lassen dort das kleine Auto stehen.


Anreise vom Ries ins Hällische

Am Montag dem 17. August 2015 packen wir Rufus und Gilette, den für den Transport in seine Einzelteile zerlegten Karren und unser Gepäck für unterwegs in den Bus/Pferdeanhänger und fahren nach Dirgenheim, das ist bei Kirchheim am Ries. Hier ist der Startpunkt unserer dreitägigen Fahrt nach Wackershofen.

Etwa 78 km haben wir zu überwinden, davon knapp 26 km am ersten Tag, 30 km am zweiten und nur etwas mehr als 22 km am letzten Tag.

Dirgenheim ist praktisch in Sichtweite von Nördlingen, etwa 8 km entfernt. Der Nördlinger "Daniel" schimmert, gerade noch erkennbar, durch den Nebel hervor.

Der Wetterbericht meldet leichten Regen für den ganzen Tag. Wir haben unseren Karren mit zwei Metallbögen und darauf fixierten Stangen ausgerüstet, so daß wir eine Leinenplane darauf befestigen können. Wir haben aber Glück und es wird gar nicht nötig, den Karren zum Planwagen zu gestalten. Trotzdem dauert es ewig, bis alles fertig zusammengebaut ist und wir kommen erst am späten Vormittag in Dirgenheim los.

Dafür ist schon nach 100 Metern die erste Reparatur fällig: die Schrauben an den Anzen sind locker und müssen festgezogen werden. Aber wo ist das Werkzeug? Oh, hoppla, das liegt noch im abgestellten Bus - also alles zurück auf Anfang, zum Auto zurücktraben, Werkzeug holen, Schrauben festdrehen und dann Start, die Zweite.

Rufus trabt munter drauf los, Bert sitzt auf dem Kutschbock, ich hinten auf dem Karren und Gilette läuft am Strick hinterher. Bald schon manifestiert sich das nächste Problem: die Wagenräder eiern. Die Räder waren durch den vielen Gebrauch und die Trockenheit locker geworden, Bert hatte sie vor der Tour erst zu reparieren versucht, indem er zwischen den Holzsegmenten und dem Eisenreifen schmale Eschenstreifen eingesetzt hatte, damit die Speichen wieder Spannung bekommen. Nun hat der Druck aber die Speichen nur tiefer in die morsche Radnabe hineingedrückt und es ist wieder alles wackelig. Wir fürchten, daß wir nicht heil in Wackershofen ankommen werden. Ab jetzt jedenfalls: äußerste Vorsicht, nur noch Schritt gehen, schiefe Wege meiden oder zumindest Gewicht vom Karren nehmen, sprich absteigen und laufen...

Am Rand des Rieses liegt Schloß Baldern als weithin sichtbare Landmarke auf einem Hügel über den Feldern und Wäldern. Der Anblick - vor uns, neben uns, hinter uns - begleitet uns einen großen Teil unserer heutigen Strecke. Bert läuft praktisch die ganze Strecke zu Fuß, ich darf auf dem Wagen sitzen bleiben, außer an besonders abschüssigen Stücken. In Hochgreut werden wir umringt von mehreren Rinderherden unterschiedlicher Altersgruppen auf den umliegenden Weiden. Einige Male können wir den vorher daheim ausgesuchten Weg nicht gehen, weil er zu eng ist, gesperrt ist oder schlichtweg gar nicht existiert. Dank Berts Tablet und Google Earth sind aber immer schnell Alternativen gefunden. In puncto Navigation verlassen wir uns lieber auf unsere moderne Technik. Kurz vor dem Ziel überqueren wir die Autobahn A7 und heute übernachten wir auf einem Reiterhof/Ferienhof in Eigenzell bei Ellwangen.

Um den Karren etwas zu schonen, reite ich am nächsten Morgen erst einmal auf Gilette, zumindest die halbe Etappe, ohne Sattel, da wir diesen schon ins Museum gebracht hatten. Gleich zu Beginn der Tagesetappe, oberhalb von Ellwangen, haben wir einen wunderschönen Blick hinunter auf idyllische Täler.

Der Weg führt durch eine liebliche Landschaft, am Fischbachsee entlang, aber auch viel auf Forstwegen durch den Wald. Es gibt einige Hindernisse zu überwinden auf unserem Weg: umgefallene Bäume, Wegsperrungen/Verbotsschilder, zugewucherte und bucklige Rückewege...manchmal grenzt es schon an ein Wunder, daß Bert unsere scheppernden wackeligen Wagenräder da überall unbeschadet durchmanövriert hat.

Als ich von Gilette nach dreieinhalb Stunden absteige, hat sie ordentlich geschwitzt und meine Unterwäsche ist tropfnaß. Zum Glück habe ich frische Wäsche zum Wechseln in der Gepäckkiste auf dem Karren. Die lange Unterhose - nicht authentisch, aber beim Reiten sehr angenehm - hänge ich zum Trocknen am Karren auf. Wir kommen daher wie die Vagabunden, sicher ein malerischer Anblick, aber wir ernten auch ein paar mißtrauische Blicke.

Eine erholsame Mittagspause gönnen wir uns dann an einem kleinen Weiher bei Hummelsweiler. Bert spannt Rufus aus, füttert und tränkt die Pferde, wässert auch die Wagenräder und hofft, daß sie schnell quellen und wieder fester werden.

Im Nachbarort Vorderuhlberg treffen wir auf eine lustige Geburtstagsgesellschaft beim Spaziergang, wir unterhalten uns sehr nett, bis uns bewußt wird, daß es schon reichlich spät ist und wir ja unser Etappenziel heute abend erreichen müssen. Wir sehen also zu, daß wir uns wieder in Bewegung setzen. Uns fällt hier im Hohenloher Land auf, daß nicht nur die Kühe, sondern auch die Schweine hinaus dürfen auf die Weide. Unsere Strecke zieht sich ganz schön dahin. Im Bühlertal wagen wir es, auf der kleinen Asphaltstraße wieder zu traben, damit wir schneller voran kommen. Wir durchqueren Obersontheim und jetzt sind es nur noch ein paar Kilometer bis zu unserer Übernachtungstation in Hausen. Als wir eintreffen, ist es fast 20 Uhr! Anja Kircher wartet schon auf uns mit ihrer Familie und Reiterfreunden. Unsere Pferde dürfen den Offenstall bewohnen, während Anjas Pferde auf der Koppel sind, Anjas Mann wirft den Grill an und wir verbringen einen vergnügten Abend und eine erholsame Nacht in Hausen.

Nach einem üppigen Frühstück brechen wir auf zu unserer letzten Etappe. Nachdem die Räder über Nacht gewässert wurden, trauen wir uns heute, wieder viel zu traben. Entsprechend gut kommen wir voran. Mittags verzehren wir das Freßpaket, das uns Anja mitgegeben hat, die Pferde bekommen unterwegs gesammeltes Fallobst und ein paar geklaute Maiskolben. Der Platz neben dem Flugplatz von Schwäbisch Hall ist nicht so besonders idyllisch, aber hier ist keine Straße in der Nähe und wir können ausspannen und die Pferde ein halbes Stündchen frei laufen lassen, ohne ständig auf dem Sprung zu sein.

Transportwesen damals und heute

Nun müssen wir von der Höhe hinunter an den Kocher, den wir in Gelbing überqueren wollen. Der "Alte Steig" führt uns auf einer gut ausgebauten kleinen Asphaltstraße ohne Autoverkehr sicher hinunter. Zwar müssen wir langsam gehen, damit Rufus' Eisen nicht rutschen, aber so furchtbar steil ist der Steig nicht. Neben uns geht es allerdings fast senkrecht einige Dutzend Meter hinunter.

Unten im Ort überqueren wir den Kocher und folgen dem Fluß ein Stück auf einem Radwanderweg. Dann führt ein enger Waldweg wieder hinauf auf die Ebene. Nur noch ein kleines Stückchen und wir haben unser Ziel tatsächlich erreicht!

Wir sind wie üblich im Stall des Steigengasthofs untergebracht, wo bereits unser vorher angeliefertes Bett und die Kleidertruhen auf uns warten.

Die Pferde schlafen auf der Koppel, wir holen sie nur in den Pausen über Mittag hinein in den Stall. Diesmal sind noch zwei Pferde dabei, die Süddeutschen Kaltblüter Elli und Pauline. Sie sind allerdings auf einer getrennten Koppel untergebracht.


Am Donnerstag reiten wir mit Lisa und André nach Schwäbisch Hall, um Flyer des Freilandmuseums zu verteilen und ein wenig Werbung für unsere Veranstaltung zu machen.

Die Leute in Hall staunen nicht schlecht, als wir in voller Montur in der Fußgängerzone auf und ab reiten und unsere Zettel bis an die Ladentür oder den Bistrotisch bringen. Der Inhaber eines Reitsportgeschäfts kommt gleich mit einer Tüte Leckerlis - mit dem Ergebnis, daß Rufus und Gilette jetzt auch noch jeden Passanten auf Eßbares untersuchen wollen...

Wir entdecken die Redaktion der Lokalzeitung und Bert lenkt Rufus zum Eingang hin, wo unser unerschrockenes Pferd prompt die ersten zwei Stufen erklimmt und hineinschaut. Sofort kommt jemand heraus zum Schauen, ein Fotograf macht ein paar Bilder und wir werden interviewt - eine Gelegenheit, die Veranstaltung zu bewerben, die man sich nicht entgehen lassen darf!


Bauernhochzeit

Das offizielle Thema der Veranstaltung in diesem Jahr lautet "Bauernhochzeit". Der Hochzeitslader wandert durch die Orte, um die Verwandtschaft einzuladen. Neben den alltäglichen Verrichtungen im Haus aus Zaisenhausen und dem Steigengasthof müssen auch zusätzliche Vorbereitungen für die Hochzeit getroffen. Die Mägde winden Kränze, um die Gaststube zu schmücken.

Hochzeiten waren im 18. Jahrhundert streng reglementiert, es war je nach sozialer Schicht und Status genau festgelegt, wieviel Gäste eingeladen werden durften. Hochzeitsordnungen stellen eine der besten Quellen dar, um herauszufinden wie damals gefeiert wurde.

Die „Lands- und Dorfordnung“ besagte „Von Hochzeiten und Schenckhungen“, dass für gewöhnlich jeder Untertan auf dem Land nur 2 Tische für seine Freunde und Verwandte verwenden durfte, wobei an einem Tisch nicht mehr als 10 Personen sitzen sollten. Das „Nothdürfftige gesinde“ sollte allerdings in diesen maximal 20 Personen nicht inklusive sein, allerdings auch nicht mehr als einen Tisch besetzen und die Zahl von 10 Personen nicht überschreiten. Einfach sich zu einer solchen Hochzeitsgesellschaft hinzu zu gesellen war ausdrücklich bei Ankündigung einer Strafe verboten. Armen Leuten war jedoch nur das Laden der nächsten „bluetsfreundt“en gestattet. Bei den Mahlzeiten sollten jeweils nur 4 einfache Essen „oder Trachten“ gereicht werden. Die Dauer der Hochzeit wurde auf zum „längstem Zween Tag“ limitiert. Den Hauptleuten, später Schultheißen, wurde die Überwachung des Ablaufes der Hochzeitsfeiern und die Unterbindung aller „Üppigkeith“ und gewisser ungern gesehener Erscheinungen beim Tanzen wie „ungeschickht lauffen, Springen, verdrehen, herumbwerffen, schwenckgen, Schreyen“ angewiesen.

Für auswärtige Gäste war das Einnehmen einer Suppe vor der Trauung gestattet. Am Samstag wird unsere Hochzeitsgesellschaft also zunächst im Haus aus Zaisenhausen mit der Hochzeitssuppe verköstigt.

Wir sind zwar Teil der Hochzeitsgesellschaft, warten aber mit den Pferden draußen vor dem Haus.

 

Eine „Obrigkeitliche Verordnung“ für die Untertanen auf dem Land von 1710 [...] untersagt [...] „das Schiessen bey Begleitung einer aus dem Dorff abziehenden / oder in den Flecken kommenden Braut / bey hoher Straff...“. Dies legt natürlich nahe, dass ein Hochzeitsschießen prinzipiell sehr verbreitet war.
 
Unsere Burschen lassen sich natürlich das Salutschiessen zu Ehren des Brautpaars nicht nehmen.

Nachdem alle Gäste eingetroffen sind, bereitet sich die Gesellschaft auf den Kirchgang vor. Das Brautpaar - der Bräutigam hoch zu Roß, die Braut auf dem geschmückten Karren - führen den Hochzeitszug an.

Oben auf dem Hügel wird in der kleinen Kapelle die Ehe vom Pastor geschlossen. Während die Hochzeitsgesellschaft der Trauung beiwohnt, schmücken fleissige Hände das Wirtshaus, stellen das üppige Mahl fertig, decken den Tisch ein und bereiten alles für die Speisung der rückkehrenden Hochzeitsgäste vor.

Nach dem Kirchgang kommt die Hochzeitsgesellschaft zurück von der Kapelle und hält Einzug im Steigengasthof.

Die Hochzeitsgäste nehmen im geschmückten Gastraum Platz und lassen sich von den Küchen- und Schankmägden verköstigen. Rinderschmorbraten mit Spätzle gibt es, dazu etliche Beilagen wie grüner Salat, Rote Beete, Gurkensalat, als Nachspeise eine Schokoladencreme, die mit Eischnee als Baiser überbacken wurde.

Die Mägde und Knechte bekommen nichts ab von dem Festmahl, sie müssen am Katzentisch sitzen und mit einer schlichten Potage vorlieb nehmen, einem dicken Eintopf mit geröstetem Brot, Wirsing und diversen Fleisch- und Gemüseresten der letzten Tage.

Zur Unterhaltung der Gesellschaft wird nach dem Essen ein lustiger Schwank als Puppentheater aufgeführt. Danach spielen die Musiker vor dem Gasthof zum Tanz auf. Ausgelassen tanzt die Jugend, sogar die Mägde reihen sich ein in den lustigen Reigen.

Erst am nächsten Tag fahren Braut und Bräutigam zurück zu ihrem Haus in Zaisenhausen. Die Mitgift der Braut, bestehend aus einer Truhe, einem Koffer und einem Bett, führen sie auf einem Karren mit.


Küchenarbeit

Die Küchenarbeit nimmt einen großen Teil des Alltags ein. Es muß sorgfältig geplant werden, wie viele Personen zu welcher Mahrzeit verköstigt werden müssen, nicht nur die Familie, sondern auch Mägde und Knechte. Im Fall eines Gasthofs müssen auch noch Reisende und Wirtshausbesucher mit einkalkuliert werden. Die Lebensmittel müssen herangeschafft werden, sei es aus dem Garten, vom Markt oder aus der Stadt, vieles wird zu Hause noch weiter verarbeitet oder haltbar gemacht. Schließlich muß auch für den Winter Vorsorge getroffen werden. Die Küchenmägde waschen und putzen die Lebensmittel, zerkleinern oder schneiden in Stücke oder Streifen, halten das Feuer ständig am Brennen, rühren, kneten Teig, schlagen Eiweiß oder Sahne. Die Speisen müssen nach bewährten Rezepten schmackhaft und sättigend zubereitet werden. Es wird nicht nur am Herd gekocht, gebraten, gesotten, frittiert, sondern auch im Backhaus Brot, Fleisch oder Kuchen gebacken. Selbstverständlich muß nach der Mahlzeit auch alles wieder mit heißem Wasser gespült werden.

 

Waschtag

Was heutzutage die Waschmaschine auf Knopfdruck macht, war im 18. Jahrhundert eine mühsame Plackerei. Die Wäsche wurde über einer Feuerstelle in einem großen Topf gekocht. Da Seife teuer war, behalfen sich die einfachen Leute mit Asche, die im Wasser ebenfalls zu einer Lauge verkochte und half, den Schmutz aus der Wäsche zu lösen. Mit Stöcken wurde die Wäsche vorsichtig aus dem heißen Wasser gefischt und erst mal in kaltem Wasser so weit ausgewaschen, daß man die Wäschestücke wieder anfassen konnte. Dann wurde auf einem hölzernen Waschbrett geschrubbt, bis alle Flecken verschwunden waren. Die gereinigte Wäsche wurde zum Trocknen aufgehängt, teilweise noch zum Bleichen auf einer Wiese ausgelegt.

 

Viehhaltung

Wir mußten auf der Veranstaltung nur das Heu für unsere Pferde aus dem Stadel zu holen. Wir hatten einen modernen Anschluß mit fließend Wasser aus dem Wasserhahn am Steigengasthof und konnten unsere Pferdetränke auf der Koppel (eine moderne Mörtelwanne) direkt mit dem Schlauch befüllen. Anno 1765 hätte man vielleicht einen Brunnen gehabt, aus dem das Wasser mühsam per Hand gepumpt werden muß. Im Museum gibt es Rinder, Schweine, Ziegen, Schafe, Kaninchen, Gänse, Enten, Hühner, Tauben - alle wollen regelmäßig und zuverlässig mit Futter und Wasser versorgt werden, morgens und abends. Zudem müssen Milchkühe und wohl auch die Ziegen regelmäßig gemolken werden und auch die Hühnereier sollte man täglich frisch eingesammeln.

 

Straßenarbeiten

Mit einfachsten Mitteln führen die Arbeiter die Wartung und Reparatur der Straßen aus. Das Material wie Kies und Sand wird mit einer Holzschubkarre oder allenfalls mit einem Pferdekarren angeliefert. Handarbeit ist angesagt, mit Hacken, Schaufeln und Spaten. Kein Bagger, der mal schnell ein Loch beliebiger Größe in die Landschaft gräbt, keine Planierraupe, die mit hydraulischer Kraft ein Grundstück im Handumdrehen einebnet, keine Rüttelplatte, die locker aufgeschütteten Belag in den Schlaglöchern feststampft.

 

Zollstation

Im 18. Jahrhundert besteht Deutschland aus einem Flickenteppich kleiner selbstständiger Verwaltungsgebiete. An den Handels- und Reisewegen gibt es überall an den Grenzen Zollstationen. Mitgeführte Waren werden mit mehr oder weniger hohen Einfuhr- und/oder Ausfuhrzöllen belegt. So zahlt man für die Ausfuhr eines gemästeten Ochsen z.B. eine Zollgebühr von 4 Kreuzern, für einen Wagen Heu oder Stroh verlangt der Zöllner 3 Kreuzer, für 100 einjährige Schweine mußte man 2 Gulden und 28 Kreuzer berappen, sind die 100 Schweine bereits ein halbes Jahr länger gemästet worden, also anderthalb Jahre alt, werden sogar 4 Gulden und 8 Kreuzer kassiert. Es gab sogar einen "Zoll für einen durchgeführten verstorbenen Juden" von 2 Gulden!

Reisende und Fuhrleute müssen ihren Zoll an der Grenze entrichten und bekommen darüber eine Quittung. Sollten sie im Inland mit ihren Waren ohne diese Bestätigung angetroffen werden, drohen empfindliche Strafen.

An der Zollstation in Bubenorbis wird scharf kontrolliert. Der Zolleintreiber ist mit allen Wassern gewaschen und findet verstecktes Schmuggelgut gnadenlos. Bei uns kassiert er für ein Bündel Lumpen 1/2 Kreuzer und muß sich dafür von der Fuhrfrau übelst beschimpfen lassen - nicht weil er Zoll kassiert, sondern weil er ihre Wäsche als "Lumpen" bezeichnet hat.

Diese Erfahrung muß selbst der Herr Pastor machen. Anläßlich seiner Reise nach Karlsruhe muß der geistliche Herr alle Kisten und Körbe vorzeigen und öffnen. Sogar die unschuldigen drei Flaschen Wein sowie das Gewand seiner Frau Gemahlin muß der Pastor verzollen.

 


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