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Schwabegg | Anfahrt | Sehenswertes | Veranstaltungen | Adressen | Geschichte | Roman | Ortsplan   Druckansicht

Thomas Krauß
2019-07-11 19:57:00
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Neuer Führer durch Augsburgs Umgebung

Professor Stauber's

Neuer Führer durch Augsburgs Umgebung

Ausflüge von Schwabmünchen (S. 81, S. 82):

  1. Hiltenfinger Keller, 2km.
  2. Hiltenfingen (3,5 km s.), Post, gute Whsr. H. hatte einst einen eigenen Adel, auch Bürger und Spital von A., Kloster Ursberg und die Deutsch-Ordens-Kommende Blumenthal waren dort begütert.
  3. Im S. des Marktes über die Singold, dann durch das Wertachmoos über Wertach und Scharlach 6 km nach dem hochgelegenen (604 m)

Schwabegg

einer alten Strassenfeste, welche seit langem das lebhafteste Interesse der Forscher erweckt und eine reichhaltige Literatur hervorgerufen hat (s. u. a. die Arbeiten von Kaiser, von dem verdienten Expositus Nic. Durner in Hist. Zeitschrift für Schwaben und N. Bd. XXIV, 127 ff., von J. Schuster, ebendort XXI,
169 ff.; Zecher, Herrschaft Schw. 1846; Baumann, G. des Allgäus u. a.).

Heute ist Schwabegg (Schwabenhügel, egg = Abhang, Hügel) ein Kirchdorf mit Expositur und Schule, 540 Ew., schöne got. Kirche
1871 gebaut, gutes Whs. von Minnholz, liegt prächtig am w. Abhange des Wertachthales mit herrlicher Aussicht auf dieses von A. bis Kaufering; es ist nach Art eines mittelalterlichen Hörigenortes rings um den Hügelkegel des "Weinberg" herumgebaut. - Durch die w. Höhen und durch Wälder - schöne Staatswaldungen, im N. Buchen-, im S. Fichtenwald - hat es mildes Klima, darum blühenden Obstbau; im Mittelalter hatte es jedenfalls Weinbau, daher der Name des Hügels "Weinberg".

Der "Weinberg" im Dorfe selbst, die "Haldenburg" im nahen s. Staatswald, beide mit Spuren ausgedehnter Erdwerke, der Name des Weilers "Königshausen"(2 km n.), zahlreiche Grabhügel und Hochäcker Schanze nw. im Burgholz, mit ihren Funden an Urnen, Schmuck und Waffen (s. Durner a. a. O.) - all das zeugt von einer reichen Geschichte und Vorgeschichte Schwabeggs.

Als die älteste Bau- und Befestigungsstätte von Sch. darf wohl die im s. Höhenwalde gelegene (keltische?) Erdburg Haldenburg betrachtet werden: eine Erdbefestigung, quadratisch mit Wall und Graben und vorgelegtem künstlichem Kegel, noch sehr gut erhalten. Trotz öfterer Nachgrabungen wurde hier nicht der geringste Mauerteil blossgelegt, der auf ein massives Römerkastell schliessen liesse.

In der Römerzeit hatte Schwabegg den Namen Rapis, bezw. es ist Rapis nach Annahme von Raiser (rapis = Rübe, Form des Weinberges). Bei Rapis trat die von Augsburg nach Obergünzburg führende Römerstrasse vom rechten auf das linke Ufer der Wertach, welche damals ihre Wasser vielleicht weiter westlich, näher bei Schwabegg, wälzte. In Rapis stand eine römische Besatzung zum Schutze des Brückenkopfes über die Wertach. Eine andere Römerstrasse führte von Fischach, Mickhausen, Münster (uralter Ort) nach Rapis. Aus der Römerzeit ist nach unserer Annahme keine Ruine dahier erhalten. - Im Mittelalter war Schwabegg Sitz des Geschlechtes Schwabegg-Balzhausen (Burg), eines mächtigen Geschlechtes, welches die Bischöflich-Augsburgische Schirmvogtei
(advocati ecclesiae Augustanae) inne hatte; dann hatten die Schwabegger die Schirmvogtei über den Besitz des Klosters Steingaden in Siebnach, Niedergeltingen, Irsingen; ferner hatten sie Richter in Türkheim, Hiltenfingen, Konradshofen, Elenkofen, Erpftingen, Stopferberg, Scherstetten mit vielen vorgetragenen Gefällen. Die Zubehörde und Advokatenrechte zur Strassenvogtei Schwabmünchen, die ihnen zustand, dehnten sich aus über 33 Orte. Werner von Schwabegg stiftete (16. Febr. 1130) das Prämonstratenserkloster Ursberg. Gisela, Gräfin von Schwabegg-Balzhausen, ist Stifterin des Klosters Edelstetten. Adelgolz, frater Werinhard advocati, hat ein Grabmal in der Kirche St. Moritz in Augsburg. Das eingesessene Geschlecht der Schwabegger starb aus mit Adelgolz 1162, der wahrscheinlich in Italien umkam. (Siehe die Poesie dieser Geschichte verarbeitet in der Klausnerin vom Karrenberge von Fr. Bauberger). Auch später treten noch Schwabegger in der Geschichte auf, sind aber nur Burgvasallen. Schwabegg kam als Eigentum an die Herzöge von Bayern, verlor seine Bedeutung an Türkheim. In späteren Kriegszeiten wurde Schwabegg hart mitgenommen (30 jähr. Krieg); es verlor sogar seine pfarrlichen Rechte, so dass heutzutage noch ein Expositus amtiert. Das spätere Landgericht Türkheim deckte sich zum grossen Teile mit der ehemaligen Grafschaft (Herrschaft) Schwabegg. Dem Mittelalter gehört offenbar die noch erhaltene Ruine auf dem Weinberg, vielleicht der Kopf einer Zugbrücke, an. Auch die mittelalterliche Ringmauer lässt sich noch ein gutes Stück verfolgen. Ein Mann, der sein Haus baute (gerade gegenüber dem oben erwähnten Zugbrückenkopfe), fiel bei den erforderlichen Ausgrabungen ziemlich tief hinab auf Mannshöhe, wahrscheinlich in den Anfang eines unterirdischen Ganges, der vom Ende der Zugbrücke gegen den Schlossberg Scherstetten führte. Niemand hat aber leider damals diesem Vorkommnis eine Beachtung geschenkt. - Der Weinberg wird (in Händen von zwei Privatbesitzern) leider wegen seines zu Bauzwecken geeigneten roten Sandes immer mehr abgeschunden, weshalb es höchste Zeit wäre, dass edle Menschen ihn ankaufen würden, um ihn zu bepflanzen und etwa "einen Geist und Herz in gleicher Weise befriedigenden Kreuzweg hier zu errichten". Das würde der Weinberg als Träger einer grossen Vergangenheit und schönster Aussichtspunkt in der ganzen hiesigen Gegend verdienen.