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Ouidah wurde ursprünglich Hweda genannt und war Hauptstadt des stark bevölkerten, wohlhabenden Königreiches Sahé (Savi), gegründet vom Volk der Fon. 1680 bauten die Portugiesen eine Festung, die jedoch nach wenigen Jahrzehnten aufgegeben wurde. Die Portugiesen verballhornten den Namen Hweda zu Ajudá. 1721 wurde die portugiesische Festung unter dem Namen São João Baptista de Ajudá neu aufgebaut.. 1727 wurde die Stadt vom König von Dahomey erobert, der dadurch einen direkten Zugang zum Meer gewann, welcher ihm den lukrativen Sklavenhandel mit Europa ermöglichte.

Ouidah wurde somit zum Zentrum des Sklavenhandels. Die eigentliche Stadt lag schon zu Zeiten des Königreichs Dahomey rund 3,5 km vom Meer entfernt, so daß Sklaven vor ihrer Einschiffung diese Strecke zu Fuß zurücklegen mußten.

Die Stadt bietet vor allem kulturgeschichtlich viele Sehenswürdigkeiten. Zu den Hauptattraktionen gehören das historische Museum im nachgebauten portugiesischen Fort São João Baptista d'Ajudá und die sogenannte Sklavenroute, die vom ehemaligen Sklavenmarkt (Place Cha Cha) zum Strand bis zur Pforte ohne Wiederkehr (frz. Porte du Non-Retour) führt. Auf der Route finden sich zahlreiche Statuen und Gedenkorte zum Sklavenhandel.

 


Wenige Kilometer westwärts, an der Küste entlang in Richtung Grand-Popo, liegt unser Hotel La Casa del Papa, eingebettet zwischen tosendem Atlantikstrand und einer Lagune.

FILM: Brandung

 


Ouidah gilt als die Wiege des Vodun oder Voodoo, der originär westafrikanischen animistischen Religion.

Schon Ende des 17. Jahrhunderts gab es europäische Berichte über einen Schlangenkult in Ouidah.

Gegenüber der katholischen Kathedrale liegt der Schlangentempel, in dem die Adepten Pythons als Verkörperung der Gottheit Dangbé verehren. In regelmäßigem Abstand bekommen die Königspythons Ausgang, da sie nicht gefüttert werden, sondern sich selbst ernähren (von Mäusen und Vögeln, hauptsächlich). Kommen einige Schlangen nicht zurück, macht man sich besorgt auf die Suche, um den Ausreisser wohlbehalten nach Hause zu bringen. Ursprünglich nur für Eingeweihte, ist der Tempel mittlerweile zu einer Touristenattraktion geworden.

FILM: Pythontempel

 

Was ist nun eigentlich Vodun? Es ist sehr schwierig, eine kurze prägnante Zusammenfassung über diese Religion zu formulieren. In der kurzen Zeit, in der wir in Westafrika vor Ort waren, kann man ohnehin nur einen flüchtigen Einblick gewinnen.

Mir drängt sich die Erkenntnis auf, daß es bei Voodoo nur wenig allgemeingültige Aussagen gibt, es handelt sich um ein sehr heterogenes Phänomen. Das leuchtet auch ein: es gab in der afrikanischen Kultur von Alters her keinerlei Schriftlichkeit, das gesamte Wissen der vorangegangenen Generationen wurde ausschließlich mündlich tradiert. Dadurch entsteht keine Fixierung einer Geschichte, die dann als absolut anerkannt wird (ich denke da z.B. an die Bibel und an den Koran), sondern ein reicher Schatz an äußerst kreativen "märchenhaften" Geschichten, die regional variieren.

Mit jeder mündlichen Weitergabe erfährt das Gedankengut eine Entwicklung. Es werden Kleinigkeiten weggelassen, bestimmte Aspekte vielleicht noch bunter geschildert oder auch Neues hinzugefügt. Ein und derselbe Mythos wandelt sich vielleicht im Laufe der Zeit an verschiedenen Orten zu völlig unterschiedlichen Geschichten. Es können problemlos Aspekte aus fremden Kulturkreisen übernommen und in einen lokalen traditionellen Kult integriert werden, wenn sie passend erscheinen. Manchmal werden im Ursprung sehr verschiedene Geister zu einer übergeordneten Persönlichkeit integriert, die dann überregional erscheint, aber je nach Ort doch immer etwas unterschiedlich auftritt.

Ich sehe Vodun als ein Konglomerat unzähliger lokaler Kulte, denen aber immer dieselbe Denkweise zu Grunde liegt. Alles was geschieht hat eine Ursache. Alles was uns umgibt ist beseelt und beeinflußt unser Leben.

Naturkräfte werden personalisiert und diesen Geistern oder Göttern werden im Laufe der Zeit immer mehr spezifische Eigenschaften zugeordnet. Die Eigenschaften variieren je nach Ort, Priester, lokaler Tradition, manchmal widersprechen sie sich sogar. Zum Beispiel Zwillinge: im Süden von Benin werden sie verehrt, sind quasi heilig, in anderen Regionen reagiert man entsetzt, was bis zur Tötung eines der Zwillinge führt(e). Gemeinsam ist beiden Haltungen aber die Tatsache, daß die Geburt zweier Körper aus einer Schwangeren als abnormal, als Verletzung der Regel angesehen wird. Unterschieden wird nur in der Art, mit dieser Tatsache umzugehen.

Eine große Gemeinsamkeit in allen Regionen, die wir hier bereist haben (Benin, Togo und Ghana) ist die Ahnenverehrung. Alles was ein Mensch ist, ist er nur durch seine Ahnen. Verwurzelt zu sein, sein Woher zu kennen, in einer bestimmten Tradition zu stehen, ist für Afrikaner von grundlegender Bedeutung. Die Ahnen verkörpern die eigene Herkunft und Identität.

Üblich ist auch die Gabe von (Blut-)Opfern. Überall in unserem bereisten Gebiet gab es Fetische mit Resten von Blut und Federn, die bezeugen, daß die Opferung von Tieren zum Alltag gehört. Die Fetische verkörpern die Geister der Ahnen oder auch Naturgottheiten. Auch im westafrikanischen Glauben gibt es nur einen Schöpfergott (im Benin heißt er Mawu-Lisa), der aber entrückt ist. Kommunizieren kann der Mensch nur mit den untergeordneten Göttern.

Henning Christoph, Voodoo-Kenner und Gründer des Soul of Africa Museums in Essen, erklärt:

„Voodoo bedeutet in der Sprache der Fon einfach nur Gott. Und da der Schöpfergott für die Gläubigen zu weit entfernt ist, kommunizieren sie mit den Kindern dieses Schöpfers, mit den Erd- und Wassergottheiten. Jeder dieser Götter hat seinen eigenen Aufgabenbereich. So ähnlich wie die Heiligen im katholischen Glauben.“

Zwei Links aus dem Internet:

1. Vodun-Zeremonie in Ouidah

2. Vodun Festival in Ouidah am 10. Januar 2019