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Molly, Süddeutsches Kaltblut, ca. 1991 - 2014

Nachruf aus dem Fahrtenbuch des Fuhrmanns:

Mollys Bildergalerie:


 

Der Noriker ist ein Arbeitspferd für die alpine Landwirtschaft, mittelgroß (Widerristhöhe um 1,60 m), mit einem derben, schweren Kopf und breiter, gespaltener Kruppe. Die mittelschweren, langrechteckigen Kaltblutpferd mit dem kompakten, gut bemuskelten Körper und dem kräftigem Fundament sind meist Braune und Füchse, daneben auch Rappen, Mohrenkopf-Schimmel und Tigerschecken.

Lange Zeit im Gebirge gezogen, hat sich der Noriker wie kaum ein anderer Kaltblüter dem steilen Gelände angepaßt und wird neben dem schweren Zug auch heute noch in Forst- und Landwirtschaft eingesetzt, vor allem im Hochgebirge, wo das Pferd in den extrem hängigen Gebirgslagen nicht so einfach durch Maschinen ersetzt werden konnte.


Das ursprüngliche Zuchtgebiet liegt rings um den Großglockner. Der Alpenraum war ein eigenständiges Domestikationszentrum des Pferdes. Die bei Ausgrabungen gefundenen Trensen, Zaumzeuge, 2achsigen Kultwägen und einachsigen Streitwägen aus dem Zeitraum 800 bis 300 v.Chr. zeugen vom hohen Stand der hippischen Kultur der Kelten in den Alpen, in einer Zeit als Rom erst in den Geburtswehen lag. Daß der Noriker auf römische Legionspferde zurückgeht ist daher eine Legende - einzig die Bezeichnung der Rasse leitet sich vom römischen Namen der Provinz Noricum her.

Im Mittelalter war das Noriker Pferd ein Saumpferd und gewährleistete den Warenverkehr zwischen den italienischen Seehäfen und den jenseits der Alpen liegenden Städten wie Salzburg und München.

Sehr früh in der Rassengeschichte des Norikers spielten barocke Pferde eine große Rolle. Mit der Gründung des erzbischöflichen Salzburger Gestüts Rief 1565 begann die Phase der Veredelung durch Neapolitanische und Spanische Hengste, welche ihren Einfluss bis 1806 auf das Noriker Pferd ausübten. Bis heute sind deren Merkmale im Exterieur sichtbar: Ramsköpfe kombiniert mit geschwungenen Oberlinien und üppigem Langhaar sind häufig bei Rappen oder Mohrenköpfen anzutreffen. Die Mohrenköpfe (Blauschimmel mit schwarzem Kopf) beziehen ihre Bezeichnung direkt aus der barocken italienischen Bezeichnung capo moro. Neben Mohrenköpfen hat sich auch die Tigerzeichnung bis in die moderne Zeit erhalten, im Gegensatz zu anderen europäischen Pferderassen.

Ab 1903 wurde die Noriker-Rasse in einem Zuchtbuch geführt und somit in Reinzucht bis heute erhalten. Salzburg war und bleibt das Hauptzuchtgebiet der Noriker und darf laut Bestimmungen der EU das Ursprungszuchtbuch führen. Die heutige Noriker-Rasse gründet sich auf 5 Hengstlinien: Vulkan, Nero, Diamant, Schaunitz und Elmar.

Es gibt eine verwirrende Anzahl verschiedener Bezeichnungen: Noriker, Süddeutsches Kaltblut, Pinzgauer, Abtenauer, Oberländer.

Noriker

Heutige Bezeichnung der Rasse in Österreich. Der Name Noriker wurde im Jahr 1939 als allgemeingültige Rassebezeichnung offiziell eingeführt. Vorher unterschied man den Pinzgauer Noriker im schwereren Typ und den sogenannten Oberländer. In Österreich blieb die Bezeichnung Noriker bis heute erhalten.

Süddeutsches Kaltblut

Heutige Bezeichnung der Rasse in Deutschland, nach dem Zweiten Weltkrieg an Stelle der Bezeichnung Noriker eingeführt.

Pinzgauer

Schwerer Typ des Norikers, ursprünglich aus dem Bezirk Pinzgau im Salzburger Land, stellt den originalen Typ des Norikers dar.

Abtenauer

Mit einem Stockmaß von 1,48 - 1,54 m kleinstes Kaltblut des deutschen Sprachraums, in der Abtenau (Hochtal südöstlich von Salzburg) als robustes, anspruchsloses Arbeitspferd gezüchtet, überwiegend Rappen. Stellte einen Schlag innerhalb der Noriker dar, gilt mittlerweile als ausgestorben.

Oberländer

Bayerische Variante, leichterer Schlag des Norikers. Die Wurzeln des Oberländers gehen zurück bis ins 18. Jahrhundert, als sich die bayerischen Gestüte sehr an den Erfordernissen des Heeres nach leichteren Pferden orientierten. Die einheimischen Noriker-Stuten wurden mit edleren, leichteren Hengsten verpaart. Hieraus entstand im Laufe der Zeit ein wesentlich leichteres Pferd, als es der bisherige Noriker war. Dieses Pferd verbreitete sich im gesamten bayerischen Oberland.

Als der Erste Weltkrieg ausgestanden war und die Landwirtschaft wieder nach einem schwereren Pferd verlangte, wurde mit der Einführung von Original Pinzgauer Stuten durch das bayerische Gestüt Schwaiganger wieder ein Umzüchtungsprozeß in Richtung Masse in Gang gesetzt. 1939 wurde der offizielle Name Noriker auch für den Oberländer eingeführt. In den 50er Jahren ging die Rasse Oberländer in der allgemeinen Bezeichnung Süddeutsches Kaltblut auf.


 

Tierfreund Bert kam erst 2003 zum Pferd. Nicht mal ein halbes Jahr Reiterfahrung hatte er, schon sollte wagemutig zu Henrikes Stute Gilette ein Zweitpferd hinzugekauft werden. Wichtigstes Kriterium für die Auswahl: Gutmütigkeit, Leichtrittigkeit, stabile Konstitution, gute Nerven... eben das perfekte Anfängerpferd.


In der Nähe von Hallbergmoos war ein Süddeutsches Kaltblut annonciert, eine Fuchsstute, laut Zuchtpapieren 6 Jahre alt, namens Molly. Bei Besichtigung und Proberitt machte Molly zwar einen etwas heruntergekommenen Eindruck, eroberte unser Herz aber gleich im Sturm durch ihre Menschenfreundlichkeit und neugierige Annäherung. Der Stall lag direkt in der Einflugschneise des Münchner Flughafens, die S-Bahn-Trasse führte unmittelbar am Koppelzaun vorbei - OK, gute Nerven waren schon mal garantiert...

Der Proberitt war eher eine Katastrophe. Molly litt unter massiver Strahlfäule - die Füße taten einfach weh - und der Sandplatz war bockhart. Es war kaum möglich, sie vorwärts zu bringen - mit Müh und Not mal ein Trab an der langen Seite. Was aber auffiel war, wie sehr Molly auf das Lob reagierte, das sie für das Antraben (im fünften Versuch) erhielt. Sie suchte den Kontakt zu den Menschen. Und Herrchen in spe kam recht gut mit ihr zurecht, er konnte Gas geben, lenken, bremsen und Molly folgte bereitwillig.

Wider jegliche Vernunft haben wir uns im April 2004 entschlossen, Molly zu kaufen.

Die Ankaufsuntersuchung ergab dann eine Überraschung: Mollys Alter stimmte nicht. Folgerung daraus - Mollys Papiere stimmen nicht. Der Equidenpaß nennt als Geburtsjahr 1998 - im Kaufjahr 2004 schätzte sie unser Tierarzt aber auf 13, anhand der Zähne. Mollys Verkäuferin fiel aus allen Wolken. Sie hatte die Stute selbst - als Mitleidskauf - von einer zwielichtigen Händlerin erworben und wußte von nichts.

Wie gesagt: Wider jede Vernunft (Vernunft ist was für Weicheier) haben wir uns entschlossen, Molly trotzdem zu kaufen. Und wir haben es nicht bereut! Trotz längerer Krankengeschichte und hoher Tierarztkosten bekamen wir letztendlich genau das Pferd, das wir brauchten.

Herrchen und Molly sind ein echtes Team, sie haben sich einfach gesucht und gefunden!


 

Nachdem Bert schon einen kleinen Teil unseres Astholzes kleingeschnitten und aufgesetzt hat, beschließt er an einem sonnigen Sonntag Anfang Februar, statt einem Ausritt lieber das Astholz per Pferd aus dem Wald zu holen. Zum ersten Mal setzen wir tatsächlich ein Pferd zur Holzarbeit ein.

Molly wird vor den Mittelalterkarren gespannt, Gilette kurzerhand hinten angebunden, so ziehen wir ins Holz, um die Aststücke nach Hause zu holen.

Das letzte Stück - runter vom Weg, hinein in den Wald - ist ganz schön unwegsam!

Vorbildlich steht Molly vor dem Karren, bis Bert das ganze Holz aufgeladen hat. Ab und zu zuckt mal ein Ohr nach hinten, wenn ein größerer Stamm in den Karren fällt und es hinter ihr poltert. Henrike hat Gilette losgebunden, damit Bert besser aufladen kann, Gilette steht Kopf an Kopf vorne bei Molly und beide sind wirklich sehr geduldig und brav.

Auf dem Heimweg führt Henrike Gilette am Strick, weil sie versucht, die frischen grünen Nadeln des aufgeschichteten Holzes zu knabbern. Molly hat es erst mal sehr eilig, vor allem weil Gilette voraus gelaufen ist, sie läßt sich aber schnell beruhigen und bringt ihre Fracht sicher zurück ins Dorf.

Natürlich wird noch mal von allen Seiten fotografiert, um diese Premiere zu dokumentieren. Stolz führt Bert seine Molly quer durchs Dorf nach Hause, damit jeder sehen kann, wie großartig sie das macht.


Car Wash...

... oder: Wie bringe ich mein Schmuddelpferd auf Hochglanz?


 

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