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Thomas Krauß
2019-07-11 19:57:00
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Kapelle

Kapelle zum "Herrgott in der Ruh"


Schwabegg besaß schon sehr früh neben der normalen Pfarrkirche eine Kapelle "Zu unseres lieben Herrn Ruhe". Diese stand am nordöstlichen Ortsausgang - am Kapellenweg. Allerdings wurde diese Kapelle im Zuge der Flurbereinigung als "altes Glump" vom damaligen Kreisbaurat abgerissen.

So war nichts mehr von den winzigen Gotteshäuschen übrig als der Gartenbauverein unter Leitung von Alois Hampp 1991 die Idee eines Neubaus einer "Herrgottsruh-Kapelle" realisierte.

In der Erinnerung der älteren Dorfbewohner ist auch noch verankert, daß die Kapelle kein Türmchen besaß, vielmehr mit einem Kreuz bekrönt war. Ein einheimischer Hobby-Chronist, der seine Recherchen in dieser Angelegenheit bereits bis nach Rain am Lech ausgedehnt hatte, verstarb, als er gerade begann, fündig zu werden. Der Überlieferung zufolge ging der Gründung ein kleines Mirakel voraus: ein Pferdefuhrwerk aus den Stauden soll einstmals den Berg hinuntergefahren sein. Die Zugtiere seien bei dem beängstigenden Tempo, welches das Fuhrwerk an der damals noch schärferen Kurve erreichte, durchgegangen. Dort, wo die Rösser dann unbeschadet zum Stehen gekommen waren, sei zum Dank die Kapelle erbaut worden.

Gönner, Hand- und Spanndienste

Schon "zehn Jahre im Sinn" hatte Hampp den jetztigen Neubau gehabt, dessen Ausführung wegen des neuen Standorts zunächst jedoch auf Widerstand stieß. Von der Planung bis zur Vollendung vergingen dann nurmehr zwei Jahre. Keine "Normkapelle und Dutzendware" wollten die rund 150 Vereinsmitglieder erstellen. Sie sollte vielmehr die alten, bäuerlich-ländlichen Bauten ergänzen. Ein jeder engagierte sich für das ehrenwerte Ziel aus Leibeskräften.

Den Grundstock für das Gelingen lieferten zunächst die Landwirtseheleute Xaver und Ida Keck mit der Stiftung des Grundstücks. Der Augsburger Architekt Gerhard Bestier, gemeinhin auf Industriebauten spezialisiert, entwarf nun drei oder vier Pläne, "alle kostenlos und ohne Murren", die einige Maurer unter Federführung von Xaver Engel dann in die Tat umsetzten. Der ortsansässige Putzer Gerhard Ziegler und ein paar Fachkollegen gingen zunächst zwar mit schlechtem Gewissen an die geforderte "handschriftliche" Ausführung heran, waren jedoch "hintennach sehr stolz" auf deren großartige Wirkung.

Handgeschmiedete Gitter trug Schmiedemeister Josef Dischler zum Schutz der Christus-Figur bei: binnen zwei Jahren hatte der Bauer und Schnitzer Max Schedler eine Kopie der wertvollen Figur aus der Mickhausener Herrgottsruhkapelle angefertigt. Der Glasermeister Norbert Sattler lieferte mundgeblasene Fensterverglasungen, die vom Schmiedemeister Herbert Ankermüller gefaßt wurden. Fichtenholzbänke für insgesamt acht Betende stellte der Schreiner Martin Stammel junior her. Deren alte, zunächst wurmstichige Wangen hatte man aus einer Kirchenentrümpelung in Haberskirch erstehen können. Österreichische Arbeiten stellen Schloß, Türklinken, Angeln sowie Beschläge nach alten Vorbildern dar. Die Türe selbst schuf der Schreiner Hans Schießler. Keine Mühen scheute, als einer der "Ideenfabrikanten", Werner Schrupp, um die Handwerker auf alte Techniken einzuschwören.

Noch mit Glockenstrang kann schließlich der in Heilbronn gegossene Klangkörper in Schwingung versetzt werden. Pater Waldo von Ottilien trat als Stifter der offensichtlich bereits vielbegangenen, handgehauenen Solnhofer Bodenplatten auf. Zahlreiche Dorfbewohner beteiligten sich mit "Hand- und Spanndiensten" am Werk, und so mancher, der dazu nicht in der Lage war, betätigte sich als großzügiger Gönner.

Die Weihe

Wie ihre Vorgängerin, so wurde zuletzt auch die neue, schmucke Kapelle dem "Hergott in der Ruh" gewidmet, und auch den Patroziniumstag, jeweils am Dreifaltigkeitssonntag, acht Tage nach Pfingsten, behielt man bei. Jährlich zur "Kepelle-Kirchweih" soll von nun an eine Messe dort abgehalten werden. Nach vollbrachter Arbeit sind die Schwabegger begreiflicherweise stolz auf "etwas, das außer ihnen niemand hat".

Am 14. Juni 1991 war dann der feierliche Tag herangekommen, an dem, bei "Kaiserwetter", das "Kepellefest" erstmals begangen wurde. Kaplan Frank Faulhaber hielt aus diesem Anlaß eine, wie zu hören war, "wundervolle und humorvolle" Predigt. Zur Glockenweihe stieg der Gottesmann sogar furchtlos auf eine bereitgestellte Leiter. Anschließend an die geistlichen warteten sodann auf alle die leiblichen Genüsse "drunten" im Gasthaus Mayer.

Entgegen so manchem durchaus verständlichen Wunsch nach Aufstellung persönlicher Gegenstände im Kirchlein möchten die Erbauer ihr Juwel stilrein und sparsam dekoriert belassen, wofür sie ihre Mitbürger um Verständnis bitten.

Karin Winkler, Stadtzeitung, 09/1992


(Panorama, 150 kByte)
Blick nach Südosten. Links (Osten) sieht man die Kirche von Schwabmünchen und den Sportflugplatz, im Vordergrund in der Mitte die Schwabegger Mühle und rechts den Hang, der den Rand der Lech-/Wertachebene darstellt.