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Die Tridentinische Messe (neulat. Missa Tridentina) ist die Feier der Heiligen Messe im Römischen Ritus gemäß dem Missale Romanum von 1570 oder einer der nachfolgenden Ausgaben. Die Messe wird in lateinischer Sprache gehalten, der Priester steht nicht der Gemeinde, sondern dem Altar zugewandt.

Als Römischer Ritus wird die seit der Spätantike in Rom gefeierte Heilige Messe in der römisch-katholischen Kirche bezeichnet. Ebenfalls als römisch wird auch das zugehörige Messbuch bezeichnet, im Lateinischen als Missale Romanum.

Es gab im Laufe der Kirchengeschichte mehrmals Reformen des Messritus. Die Weiterentwicklung der Riten erfolgte jeweils mit dem Ziel, die Messordnung auf die Überlieferung der Kirchenväter („norma patrum“) zurückzuführen. Im Gefolge und im Auftrag des Konzils von Trient (Tridentinum, 1545-1563) wurde unter Papst Pius V.  das Missale Romanum als verbindliches Messbuch des Römischen Ritus für die ganze Kirche herausgegeben. Es erschien erstmals 1570. An der Stelle des Missale Romanum durften weiterhin auch die liturgischen Bücher jener Gottesdienstordnungen benutzt und gedruckt werden, die zum damaligen Zeitpunkt älter als 200 Jahre waren.

Bei der Redaktion des neuen Missale Romanum wurden die ältesten damals verfügbaren Handschriften und gedruckten Messbücher herangezogen, um eine Fassung nach der Norm der Kirchenväter und Theologen der vorreformatorischen Zeit wiederherzustellen. Inhaltlich handelt es sich bei dem von Papst Pius V. veröffentlichten Missale Romanum um eine redaktionell deutlich verbesserte Neufassung des Missale curiae. Dieses war das um 1220 zusammengestellte Messbuch der päpstlichen Palastkapelle, dessen Erstdruck aus dem Jahr 1474 datiert.

Ein Ziel der Vereinheitlichung und der verbindlichen Festlegung der Liturgie im 16. Jh. war es, Mißbräuche zu beseitigen, künftige zu verhindern und evangelische Einflüsse fernzuhalten. Der Tridentinische Ritus verstand sich als Antwort der „katholischen Reform“ (Gegenreformation) auf die evangelische Reformation. Martin Luther betonte das allgemeine Priestertum – die katholische Kirche reagierte in die Gegenrichtung und überantwortete den Gottesdienst in besonderer Weise dem Priester unter starker Reduzierung der Beteiligung der Laienchristen.

Heute wird die Heilige Messe in der Regel in der jeweiligen Volkssprache gefeiert. Seit der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils in den 60er Jahren steht der Bischof oder Priester meist nicht mehr in gemeinsamer Ausrichtung mit der Gemeinde am Altar, sondern der Gemeinde zugewandt (versus populum).

Die moderne Form des Gottesdienstes haben wir für eine Mittelalterhochzeit als unpassend empfunden. Zwar sind uns die Feinheiten des Messritus heute nicht mehr geläufig und keiner von uns wüßte, welche Form der Ritus im späten 15. Jh. genau hatte. Aber eines war uns vor allem wichtig: die Messe sollte in lateinischer Sprache zelebriert werden.

Besonders pikant: beide Brautleute sind eigentlich "konfessionslos" d.h. im modernen Alltagsleben explizit aus der Amtskirche ausgetreten...

Da die christliche Eheschließung in der katholischen Kirche ein Sakrament ist, durfte uns Franziskaner Pater Ernst Martin nicht kirchlich trauen. Das Problem umgingen wir, indem der Pater eine lateinische Messe ohne moderne Trauungsformel zelebrierte - also keine kirchenrechtliche Eheschließung. Daß das Thema der Predigt trotzdem die einschlägigen Bibelstellen waren und daß er das einzeln vor ihm stehende Brautpaar segnete, lag schließlich in seinem eigenen Ermessen.

Eigentlich wäre Ernst Martin auch an das versus populum gebunden gewesen. Der Altar in der Kriebsteinkapelle ist aber aus solidem Stein und unser wohlbeleibter Pater hatte keinen Platz zwischen Altar und Mauer - daher blieb ihm keine andere Wahl, als die Eucharistie mit dem Rücken zur Gemeinde zu feiern.

Kleine Anekdote aus den Hochzeitsvorbereitungen:

Einen geeigneten Pater zu finden stellte sich als eine der größten Herausforderungen dar. Der örtliche Priester wollte keine Mittelalterhochzeit, da er es als unangemessenen Klamauk betrachtete. Eine kirchenrechtlich bindende kirchliche Trauung war ja ohnehin nicht möglich. Also starteten wir halbherzig den Versuch, einen Laien aus der Spätmittelalter-Szene mit der Aufgabe zu betrauen.

Da kam ein Anruf von Brautmutter Christa, deren Cousin Kurt ihr gerade erzählt hatte, daß sein Sohn Ernst Martin demnächst wieder zu Besuch käme. Besagter Ernst Martin (der praktisch Henrikes Vetter 2. Grades ist) stammt aus einer erz-evangelischen Region (Lahn-Dill-Kreis in Hessen, am Rande des Westerwalds), konvertierte zum katholischen Glauben, trat dem Franziskanerorden bei, ließ sich zu einer entlegenen Missionsstation im brasilianischen Hinterland versetzen -  und stand nun kurz vor seinem zweijährlichen Heimaturlaub.

Wir traten umgehend mit dem Pater in Kontakt und er war auf Anhieb begeistert von der Idee. Sein Urlaub wurde sogar um einen Monat vorverlegt, damit er zu unserem Hochzeitstermin in Deutschland sein konnte. Einige Wochen vorher schickte Ernst Martin einen mehrere Seiten langen handgeschriebenen Brief mit dem kompletten Text der lateinischen Messe. Die Stellen, an denen die Gemeinde dem Priester antwortet, waren speziell hervorgehoben. Wir sollten also fleißig üben!

Die Paramente und die wunderschön bestickte Kasel brachte er aus der kleinen katholischen Kirche seines deutschen Heimatorts Beilstein mit. Der Mesner freute sich, daß endlich mal wieder jemand die alten Sachen benutzen wollte...

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