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Thomas Krauß
2019-07-11 19:57:00
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Alte Kirche

Geschichte der Pfarrei Schwabegg

Die alte Expositur- und ehemalige Pfarrkirche zu Schwabegg

Von Mich. Grasmüller, Expositus

Auf halber Höhe, am Wege zum Kalvarienberg, in der Talmulde südöstlich des sogenannten Weinberges, befindet sich seit alters der Gottesacker des Dorfes Schwabegg.

Der 1923 vergrößerte und neu geordnete Friedhof hatte aber noch vor 50 Jahren [1875 Anm. d. Red.] ein ganz anderes Aussehen. In der Mitte desselben erhob sich majestätisch die kleine, uralte Pfarrkirche des Ortes. Heute findet man von ihr kaum mehr einige Steinbrocken, die sich beim. Ausheben der Gräber da und dort zeigen und nur ganz wenig Schwabegger wissen noch von ihr zu erzählen. Ein Grundriß aus dem Jahre 1872 und eine sehr mangelhafte Tintenzeichnung aus dem Jahre 1855 sind die einzigen Anhaltspunkte zur Rekonstruktion des ehemaligen, so idyllisch gelegenen Gotteshauses.

Die alte Kirche zu Schwabegg reicht in ihren Grundmauern wohl ein volles Jahrtausend zurück. Noch lebende Abbruchsarbeiter erzählen, dass man beim Abtragen der Wände auf ungeheuer festen und starken Grund stieß, der kaum zu bewältigen war. In der Tat wurde ja diese Kirche wie uns das Saalbuch (1784) berichtet, wiederholt geplündert und verwüstet, so erstmals in der Zeit der Ungarneinfälle um 955, dann im 17. Jahrhundert in den Schwedenkriegen (1618-1648). Ja in dieser schrecklichen Zeit war das Kirchlein ganz in Verfall gekommen, so dass es fast neu aufgebaut werden musste. Wohl schon lange vor dem Aussterben der edelfreien Herren von Schwabegg (1168) bis zum Jahre 1663 war dieses Gotteshaus Pfarrkirche. In der letzten Folgezeit aber war Dorf- und Pfarrkirche so verarmt, dass die Pfarrei Schwabegg aufgehoben werden musste. Üeber 100 Jahre lang hatte fortan Schwabegg keinen Geistlichen mehr. Erst von 1775 an werden wieder, wenn auch oftmals mit großer Unterbrechung, exponierte Kapläne angewiesen. So rettete sich das notdürftige Kirchlein nur mit Muhe und Not bis in die neueste Zeit herein, bis 1874, in welchem Jahre etwa 100 Meter unterhalb an der Dorfstraße eine neue, stattliche Kirche entstand.

Augenzeugen wissen noch gar wunderliche Dinge vom alten Kirchlein zu erzählen. Dasselbe sei viel zu klein gewesen, war sehr feucht und hätte innen wie außen einer gründlichen Reparatur bedurft. Doch sämtliche Gutachten von Fachleuten gingen dahin, aus dieser Kirche lasse sich nichts mehr machen; man baue viel leichter und billiger eine neue, als dass man die alte den Verhältnissen anpasse. Schon im Jahre 1858 zeigte der Kirchturm mit seinen "Bimmlein" gewaltige Risse; Mauersteine fielen heraus und bedrohten die Kirchenbesucher. 1859 musste der Turm abgetragen werden und es wurde nun ein ganz ärmlicher Holzkasten, in Größe und Stil einem Transformatorhäuschen ähnlich, etwa 30 Meter aufwärts am Abhang des Weinberges errichtet. Dort bimmelten nun die 2 Glöcklein und konnten noch freier als zuvor vom Turme aus Schwabeggs Kirchennot in die weite Wertachebene hinausgellen. Der Volksmund hat das Seufzen des Schwabegger Geläutes in dichterische Form gegossen: "Wenn die größere Glocke läute, so sei es, als wimmere jemand mächtig: O Oelend, o Oelend, o Oelend ...! - Und jeder, der sie hörte, dachte sich dabei: Wie lange wohl noch? - Und da fiel dem Grübler die kleinere Glocke in die Gedanken und gab die Antwort: Sei lebba lang, sei lebba lang, sei lebba lang ...!

Noch schwieriger als das Äußere der Kirche zu rekonstruieren, ist die Beschreibung des Inneren; denn kein wesentlicher Teil, kein Altar, kein Bild hat sich bis in den heutigen Tag erhalten. Auch im Inneren war eben alles morsch und faul infolge der großen Feuchtigkeit des Kirchleins. Dem Stile nach war die Kirche barock, aber in allen Teilen in der denkbar einfachsten Form gehalten. Die Wände -waren im Grundton weiss getüncht, ohne besonderes Zierat, und wiesen zahlreiche grünlichgrau verfärbte nasse Flecken auf. Der Hauptaltar zeigte einen mächtigen Mittelbau (Drehtabernakel), derselbe war eingefaßt von 4 Säulen, zwischen denen sich zwei liebliche Engelsfiguren befanden. Der obere Teil mit dem Altarbild: "Maria Verkündigung" ging etwas in die Tiefe und hatte gleichfalls vier Säulen, von denen die Inneren zwei gewunden waren. Das Bild selbst konnte herausgenommen werden und dann zeigte sich dem Besucher ein rotes Glasfenster im Hintergrund, das den ganzen Chor magisch beleuchtete. Der tiefe Raum über dem Tabernakel bot auch Gelegenheit zur Aufstellung religiöser Szene, entsprechend den kirchlichen Festzeiten (Ölberg, Dreimaliger Fall, heiliges Grab, Auferstehung, Himmelfahrt). Zu beiden Seiten des Altares auf geeigneten Postamenten standen dann noch die 2 Bistumsheiligen Ulrich und Afra. Im Chore selbst war sonst nichts Achtenswertes mehr außer zwei großen Chorstühlen und einer sehr primitiven Kommunionsbank. Über der Sakristeitüre war noch eine kleine Öffnung zu sehen, das sogenannte "Chärle", ein arg kleiner Raum, den man nur kriechend erreichen und in dem man nur knieend verharren konnte.

Oben am Chorbogen hing freischwebend ein Kreuz, das dem Aussehen nach sehr alt sein musste und die Jahrzahl 1594 trug.

Das Schiff der Kirche enthielt zwei Altäre von gleicher Stilart wie der Hochaltar, aber noch viel einfacher. Der rechte war dem hl. Sebastian geweiht, der linke ein Marienaltar. Hart an ersterem führte eine enge Stiege zur Kanzel, deren Brüstung rundum mit kleinen Säulen umgeben war. Auch die Kanzel musste sehr morsch und baufällig gewesen sein, denn als einmal ein Jesuitenpater mit Begeisterung predigte und dabei zur Bekräftigung mit der Hand auf die Kanzel schlug, löste sieh eine Säule los und stürzte mit Gepolter in die unaufmerksame Knabenschar.

Den sonstigen Wandschmuck bildeten einige Apostelfiguren und verhältnismäßig große Kreuzwegstationen in hübsche Barockrahmen gefaßt. An der Rückwand war eine Empore, die durch ein mächtiges Holzgitter mehr zweckmäßig als schön abgeteilt war: rechts für den Kirchenchor, links für die Burschen. Die Träger der Empore, zwei schmucklose "und vom Alter rissig und krumm. gewordene Holzsäulen, trugen als würdigen Abschluss zwei Heiligenfiguren: Wendelin und Ottilia.

Eine Frage vielleicht interessiert uns noch: Wo sind diese Heiligenfiguren hingekommen? - Antwort: Fast alles ist spurlos verschwunden. In der neuen Kirche finden wir davon noch das Kreuz am Chorbogen, jetzt im Vorzeichen über der Armenseelentafel; dann die hl. Ottilia, jetzt ebenfalls im Vorzeichen über dem Eingang; ferner die zwei Chorstühle, die einzigen Überreste, die ihrem Zwecke erhalten blieben. Alles andere ist verschwunden. Der Kreuzweg wurde nach Türkheim veräußert, der hl. Ulrich. vom Hochaltar kam. nach Schwabmünchen. Weitere Spuren lassen sich. nicht mehr finden. Verloren und vergessen, das ist eben das traurige Los der Vergangenheit.

Aus: "Der Sinkelbote", heimatkundliche Beilage zum Schwabmünchner Tagblatt, l. Jahrg. Nr. 22 vom 15.4.1925, Seite 85, 86 u. Nr. 23 v. 1.6.1925, S. 90., Neuauflage September 2002