Gothaer Liebespaar

Tafelbild aus der Gemäldesammlung auf Schloß Friedenstein in Gotha. Das in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts (vermutlich um 1480) geschaffene Doppelbildnis wird dem Hausbuchmeister zugeschrieben. Es handelt sich um das erste großformatige Doppelbildnis in der deutschen Tafelmalerei, das eine weltliche Szene darstellt.

Bei den dargestellten Personen handelt es sich möglicherweise um Graf Philipp I. von Hanau-Münzenberg  (1449-1500) und Margarete Weißkircher, mit der er nach dem Tod seiner ersten Gattin zusammenlebte.

Das Bild zeigt zwei sich liebevoll zuneigende Personen unter zwei Spruchbändern. Die Frau hält ein kunstfertig geformtes „Schnürlein“ und eine kleine Rose als Liebessymbole in Händen. Der Text auf den Spruchbändern des Gemäldes lautet:

  • Frau (Spruchband der rechten Bildseite): Sye hat uch nyt gantz veracht Dye uch dsz Schnürlin hat gemacht (Sie hat euch nicht ganz verachtet, die euch dieses Schnürlein hat gemacht).
  • Mann (Spruchband der linken Bildseite): Un byllich het Sye esz gedan Want Ich han esz sye genissen lan. (Und billig hat sie es getan, und ich will es sie genießen lassen)

Es handelt sich um ein Treueversprechen des Paares, das – durch die Kleidung sowie die Übergabe des Schnürleins belegt – durchaus in standesgemäßer Art und Weise dargestellt ist. Der Mann versichert mit seinem Versprechen, in der gemeinsamen Zukunft für das Wohl der Frau zu sorgen.